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Moospflanze überlebt 1500 Jahre unter dem Eis

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Baku, den 18. März (AZERTAG). Mehrzellige Organismen können viel längere Zeiträume überleben als bislang gedacht: Forscher haben in der Antarktis eine seit Jahrhunderten unter dem Eis verborgene Moospflanze wieder zum Leben erweckt.

Mehr als 1500 Jahre Dauerfrost können einem Moos aus der Subantarktis nichts anhaben: Die schwarze und tot aussehende Pflanze, die die Forscher dem Permafrostboden der Insel Signy Island in gut einem Meter Tiefe entnahmen, begann im Labor wieder zu sprießen.

Das berichtet das Team um Peter Convey von der neuseeländischen University of Canterbury in Christchurch im US-amerikanischen Fachmagazin „Current Biology“. Das Moos könne vermutlich sogar noch längere Zeit bei Dauerfrost überstehen, schreiben sie.

Pflanze stellt den Stoffwechsel ein - Moos stelle seinen Stoffwechsel bei Dauerfrost weitgehend ein. Dies sei die längste bisher bekannte Überlebenszeit für Moos, erklärten die an der Studie beteiligten Forscher. Bisher zeigten Untersuchungen nur, dass Pflanzen nach 20 Jahren Dauerfrost wieder gedeihen können, betonen sie.

Die Wissenschaftler hatten die Proben der Art Chorisodontium aciphyllum im Februar 2003, also im antarktischen Spätsommer, aus dem gefrorenen Boden entnommen. Mit der Radiokarbonmethode datierten sie das Alter auf etwa 1530 bis 1700 Jahre.

Tagesrhythmus im Labor simuliert - Um die Überlebensfähigkeit des Mooses zu testen, imitierten sie im Labor einen Tagesrhythmus: acht Stunden war es bei etwa null Grad dunkel, 16 Stunden bei rund 20 Grad hell. Die aus 1,10 Meter Tiefe stammende Probe begann nach 55 Tagen wieder zu sprießen.

„Das Experiment zeigt, dass mehrzellige Organismen, in diesem Falle Pflanzen, viel längere Zeiträume überleben können als bisher gedacht“, so Convey. Der Fall habe die beteiligten Wissenschaftler dazu gebracht, nochmals nachzudenken, was der Tod überhaupt sei.

Noch nie zuvor sei es gelungen, eine Pflanze oder ein Tier wieder zum Leben zu erwecken, das so lange gefroren gewesen sei.

 

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