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Mumien auswickeln wie die Profis

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Baku, den 8. Juli (AZERTAG). Wer schon immer mal eine alte Mumie auswickeln wollte, sollte für nächstes Jahr einen Besuch in Stockholm planen. Im dortigen Mittelmeermuseum dürfen Besucher bald fünf Einbalsamierte von Kopf bis Fuß untersuchen. Und das, ganz ohne sich die Finger staubig zu machen.

Ihre Einbalsamierer haben Isisirdis gut vor den Blicken der Sterblichen geschützt. Insgesamt drei Sarkophage umhüllen seit ihrem Tod im 7. Jahrhundert vor Christus die sterblichen Überreste der Tochter eines Bierbrauers. Doch mit der Ruhe wird es demnächst vorbei sein. Denn Isisirdis liegt im Mittelmeermuseum in Stockholm. Und dort darf ab Februar nächsten Jahres jeder Besucher ganz ungeniert die Sarkophage öffnen und die Mumie auswickeln.

Selbst in das Innere von Isisirdis Körper wird der Besucher schauen können. Wie sieht es in ihrem Schädel aus? Wurde ihr Gehirn entfernt, der Hohlraum mit Harz gefüllt? Und legten die Einbalsamierer die konservierten Organe auch wieder zurück an Ort und Stelle?

Glücklicherweise wird Isisirdis nichts davon mitbekommen: Die Museumsbesucher können in dem 2700 Jahre alten Leichnam rumprökeln, ohne sich die Finger staubig zu machen. Sie müssen lediglich mit den Fingern über einen Touchscreen fahren. Schicht für Schicht lässt sich die Mumie auf dem Bildschirm auspacken. Der neugierige Besucher kann an Details heranzoomen und sie genauer studieren – genau so, wie es die Wissenschaftler nur wenige Monate zuvor im Labor getan haben.

Näher dran als je zuvor - Dafür wurden Isisirdis und vier weitere Mumien des Museums zunächst genau von Außen erfasst – mit Hilfe von Photogrammetrie und dem 3-D-Laserscan-Verfahren Reality Capture. Um die enorme Datenmenge verarbeiten zu können, setzten die Wissenschaftler eine spezielle Software ein. Sie vereinfacht den Prozess, indem sie sogenannte Punktewolken erzeugt. Das sind digitale 3-D-Daten, mit denen sich reale Objekte und ihre Umgebung virtuell darstellen lassen. Anschließend wurde das Innenleben der Mumien mit Hilfe eines Computertomografen erfasst. Zum Schluss wurden die Daten vom Äußeren und Inneren der Mumien kombiniert. Das Ergebnis: eine faszinierend realitätsgetreue digitale Darstellung mit unglaublicher Detailtiefe. So nah konnten Museumsbesucher einer Mumie tatsächlich noch nie kommen.

Zu entdecken gibt es viel an den fünf Toten. Neben Isisirdis darf auch Neswaiu ausgewickelt werden. Er starb im 3. Jahrhundert vor Christus in Theben und kam – wie auch Isisirdis – im 19. Jahrhundert als ein Geschenk des Generalkonsuls Giovanni Anastasi nach Schweden. In seine Mumie bandagierten die Einbalsamierer eine Vielzahl von Amuletten mit hinein. Sie alle lassen sich auf dem Bildschirm finden. „Keines der Amulette liegt zufällig so, alle wurden sorgfältig nach strikten Regeln platziert, um dem Körper die Wiedergeburt und ewiges Leben zu garantieren“, erklärt Sofia Häggman, Ägyptologin des Mittelmeermuseums. Erklärende Texte helfen dem Besucher zu verstehen, was er sieht. „Ein Zwei-Finger-Amulett liegt beispielsweise auf der Stelle, an der die Einbalsamierer den Schnitt ansetzten, um die inneren Organe zu entfernen“, beschreibt Häggman.

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