WIRTSCHAFT


NSA-Spionage schadet dem Ansehen der amerikanischen IT-Firmen

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Baku, den 27. November (AZERTAG). Die NSA-Spionage schadet dem Ansehen der amerikanischen IT-Firmen wie Microsoft, Cisco und Google. Laut einer neuen Studie wird das teuer – weil potenzielle Kunden in aller Welt abspringen.

Die Enthüllungen über Auslandsspionage dürften die US-Unternehmen bis 2016 bis zu 35 Milliarden Dollar an Umsatz kosten, weil Zweifel an der Sicherheit ihrer Systeme aufgekommen sind, schätzen die Politikwissenschaftler der Information Technology & Innovation Foundation in Washington. Im Aufsichtsrat der Stiftung sitzen unter anderem Vertreter von Intel.

„Der potenzielle Schaden ist ziemlich gewaltig, wenn man berücksichtigt, wie sehr unser Wachstum von der Informationsindustrie abhängt“, sagt Rebecca MacKinnon, Senior Fellow bei der New America Foundation in Washington, denn dort liege zunehmend der Vorsprung der USA.

Jeglicher Rückschlag für die Bestrebungen der USA, ein offenes Internet zu bewahren, könnte indirekt Unternehmen wie Apple und Google schaden, die von globalen Netzwerken mit wenig nationalen Beschränkungen profitieren.

Fast 40 Prozent der Weltbevölkerung oder 2,7 Milliarden Menschen sind online, wie aus Angaben der UN-Organisation International Telecommunication Union hervorgeht.

Kunden sind zögerlicher - Cisco Systems, der weltgrößte Hersteller von Ausrüstung für Computer-Netzwerke, sagte, die Enthüllungen über die NSA hätten Kunden in den Schwellenländern zögerlicher werden lassen. Der Auftragseingang in China sei in den drei Monaten bis zum 26. Oktober um 18 Prozent gesunken.

Der Konzern aus San Jose in Kalifornien dürfte auch bei künftigen Einkäufen außen vor bleiben, wenn die chinesische Regierung bei ihren geplanten Projekten im Umfang von 520 Milliarden Dollar bis 2015 Sicherheitsbedenken geltend macht und daher einheimische Firmen begünstigt.

Die Enthüllungen durch den früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden „haben großes Potenzial, der Wettbewerbsfähigkeit ernsthaft zu schaden“, sagte Richard Salgado, Direktor für Informationssicherheit bei Google, am 13. November gegenüber einem Senatsausschuss, mit Bezug auf Unternehmen wie Apple, Facebook und Microsoft. „Das Vertrauen, das in Gefahr ist, ist für diese Unternehmen unerlässlich.“

Die Spionage-Enthüllungen führten dazu, dass Regierungen rund um den Globus darüber nachdenken, Maßnahmen zu ergreifen, die „ernsthafte, unbeabsichtigte Folgen haben könnten, wie etwa eine Verringerung der Daten-Sicherheit, höhere Kosten, geringere Wettbewerbsfähigkeit und Schaden für die Verbraucher“, sagte Salgado weiter.

In Deutschland werde der Unmut wahrscheinlich zu Geschäftseinbußen für Akamai Technologies führen, sagte Geschäftsführer Tom Leighton. Sein Unternehmen hilft dabei, Online-Content schneller zu liefern. „Es ist eindeutig schlecht für amerikanische Unternehmen“, sagte Leighton.

Auch andere Branchen leiden - Und es sind nicht allein Technologiefirmen, denen als Folge der Enthüllungen über die NSA-Spionage Schaden droht, wie Myron Brilliant, Executive Vice President bei der US-Handelskammer in Washington erläuterte. Studien zeigten, dass Produkte und Dienstleistungen, die von grenzüberschreitendem Datenfluss abhängig sind, in den kommenden zehn Jahren jährlich geschätzt eine Billion Dollar zum US-Bruttoinlandsprodukt beitragen, so Brilliant.

„Dieses Thema hat Priorität – nicht nur für Technologiekonzerne oder Internet-basierte Firmen, sondern auch für kleine und mittelgroße Unternehmen“, sagte Brilliant und zählt Bereiche wie Finanzen, Verarbeitung, Gesundheitswesen, Ausbildung und Transport auf, die nicht sogleich als Internetbranchen kategorisiert werden.

Auch am Markt für Cloud Computing, der nach Angaben der Information Technology & Innovation Foundation bis 2016 auf einen Wert von 207 Mrd. Dollar kommen soll, sind Auswirkungen zu spüren.

Nach einer Umfrage der Branchenorganisation Cloud Security Alliance haben zehn Prozent der Nicht-US-Mitglieder seit Mai Kontrakte mit US-basierten Cloud-Anbietern gekündigt. Und 56 Prozent sagten, sie seien weniger bereit, US-Cloud-Anbieter zu nutzen.

„Die Leute werden den USA und den US-Unternehmen nicht mehr so vertrauen“, sagte Jason Healey, Director Cyber Statecraft Initiative beim Atlantic Council in Washington. „Die nationalen Grenzen werden im Cyberspace beginnen.“

Gegen solche Bestrebungen, die vor allem von Ländern wie China und Russland vorangetrieben wurden, haben sich die USA jahrelang ins Zeug gelegt. Am 20. November indes gelang es den USA, Großbritannien und Australien nicht, einen von Deutschland und Brasilien eingebrachten Entwurf für eine UN-Resolution aufzuweichen, in dem dazu aufgerufen wird, weltweit die Privatsphäre der Bürger zu schützen.

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