WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Nasa startet fliegende Untertasse

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Baku, den 14. Juni (AZERTAG). Das Ding sieht aus wie E.T.s Zweitwagen - doch tatsächlich erforscht die Nasa mit dem Low-Density Supersonic Decelerator neue Techniken für Marslandungen. In wenigen Tagen soll das tonnenschwere Gerät durch die Atmosphäre jagen.

Klar, Verschwörungstheoretiker kann man mit so einer Nachricht kaum überraschen. Die US-Weltraumbehörde Nasa arbeitet gerade an einer fliegenden Untertasse. Ganz im Ernst. Jeder, der die Buzzwords „Area 51“ und „Roswell-Zwischenfall“ fehlerfrei aussprechen kann, wird das natürlich wenig verwunderlich finden. Für diese Menschen ist schließlich klar, dass die Erde schon längst Besuch aus der kosmischen Nachbarschaft bekommen hat - und sich die US-Regierung die Technologie unter den Nagel gerissen hat. Auch wenn die das natürlich dementiert.

Für den Rest sei gesagt. Bei dem Versuch, den die Nasa derzeit vorbereitet, handelt es sich nicht um den Test einer fliegenden Untertasse im klassischen Sinne. Es geht um neue Technologien zum Abbremsen von Forschungssonden. Der Low-Density Supersonic Decelerator (LDSD) soll vor allem dabei helfen, höhere Nutzlasten als bisher auf der Oberfläche des Mars abzusetzen.

Dazu soll das drei Tonnen schwere Gerät voraussichtlich am Samstag von Hawaii aus aufsteigen. Zunächst bringt ein riesiger Heliumballon den LDSD in die Stratosphäre. Dort wird dann ein Raketenmotor gezündet. Dadurch steigt der LDSD bis in 55 Kilometer Höhe auf, von wo aus er auf die Erde zurückstürzen wird. Maximal wird er dabei mit vierfacher Schallgeschwindigkeit fallen. Eine aufblasbare Bremsvorrichtung und ein 30 Meter-Überschallfallschirm sollen ihm die Geschwindigkeit so weit wie möglich wieder nehmen.

Die Nasa verweist darauf, dass die Bedingungen dabei vergleichbar mit denen in der dünnen Marsatmosphäre sind. Die bisher für die Landung von Marssonden verwendeten Bremstechniken gehen auf die „Viking“-Sonden aus den Siebzigerjahren zurück. Sie fanden auch bei der Anlieferung des aktuellen Mars-Rovers „Curiosity“ im Jahr 2012 Verwendung. Das Manöver galt als komplizierteste Landung der Planetenforschung.

In Zukunft sollen die Nutzlasten aber größer werden, deswegen sind neue Ansätze gefragt. Und die testet man am besten auf der Erde und nicht im Anflug auf den Mars. Das Prinzip ist vergleichsweise simpel. Zum Bremsen wird die Oberfläche des Gefährts so stark wie möglich vergrößert - bei gleichbleibender Masse.

Der aufblasbare Bremskörper, man muss ihn sich vorstellen wie einen extrem widerstandsfähigen Ballon, kommt zuerst zum Einsatz. Er soll den Flugkörper auf die doppelte Schallgeschwindigkeit abbremsen, dann erst wird der Fallschirm aufgespannt, der die Geschwindigkeit weiter senkt.

Statt einer Nutzlast von anderthalb Tonnen wäre es mit den neuen Technologien nach Angaben der Nasa möglich, zwei bis drei Tonnen auf einmal auf den Mars zu bringen. Außerdem seien dann auch Landungen in Gebirgsregionen möglich. Doch bis es soweit ist, muss die fliegende Untertasse noch mehrmals fliegen. Nach dem Test am Samstag sind zwei Flüge im kommenden Jahr geplant.

 

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