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Neandertaler aßen reichlich Gemüse

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Baku, den 28. Juni (AZERTAG). Unsere frühen Verwandten knabberten sehr viel mehr Gemüse als bisher angenommen. Das konnten Wissenschaftler jetzt belegen - und wühlten dafür in den versteinerten Kotresten der Neandertaler.

Wollten Forscher bisher die Ernährungsgewohnheiten von Neandertalern studieren, mussten sie entweder die Küchenabfälle vergangener Mahlzeiten durchwühlen oder Speisereste vom Zahnschmelz abkratzen. Damit noch nicht Forscherdrang genug - jetzt hat ein Team um Ainara Sistiaga vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge 50.000 Jahre alten Neandertaler-Kot aus der spanischen Höhle El Salt untersucht.

Sistiaga und Kollegen haben die Überreste auf Stoffe untersucht, die für eine Aufnahme von Fleisch beziehungsweise Pflanzen typisch sind. Für Fleisch war dies Coprostanol, das bei der Verdauung im Darmtrakt aus Cholesterin entsteht. Ein Hinweis auf gegessene Pflanzen ist 5ß-Stigmastanol.

Führte das Fleisch zum Aussterben - Das Ergebnis: Zwar verspeisten die Neandertaler viel Fleisch, doch dazu knabberten sie mehr Gemüse, als bislang vermutet, wie die Forscher im Fachmagazin „Plos One“ berichten. Bisherige Analysemethoden konzentrierten sich auf verdaute Eiweiße. Der Pflanzenanteil werde dabei systematisch unterschätzt, so die Wissenschaftler. Nun ist klar: Zum Steak gab es bei den Neandertalern häufig auch eine Gemüsebeilage. Die Kotanalyse liefere einen ersten direkten Hinweis auf Pflanzen im Speiseplan, schreiben die Forscher.

Homo neanderthalensis, ein ausgestorbener Verwandter des modernen Menschen Homo sapiens, lebte vor etwa 230.000 bis 40.000 Jahren in Eurasien. Später verschwand er wieder von der Erde - er starb aus. Die Wissenschaftler wissen bis heute nicht genau, warum. Eine auf Fleisch konzentrierte Ernährung wird als ein möglicher Faktor für sein Aussterben angesehen.

Unsere Studie ist der erste Versuch, die Ernährung des Neandertalers anhand fäkaler Marker aus archäologischen Kontexten zu untersuchen“, sagt Sistiaga. Nun hoffen die Autoren, mit weiteren Studien die ersten Ergebnisse ergänzen zu können. Dafür müssen sie vor allem eins: weiter in Fäkalien wühlen. 

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