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Neue Ernährungssubventionen in Indien ernten Kritik

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Baku, den 6. Juli (AZERTAG). Alles nur ein „halbgarer Köder“ vor den Wahlen? Indiens Präsident Mukherjee hat eine Verordnung für Ernährungssicherheit auf den Weg gebracht, durch die Millionen Menschen Getreide zu Cent-Preisen erhalten sollen. Doch Kritiker winken ab - die Maßnahme sei unzureichend.

Es klingt wie ein Heilsversprechen: Indiens Regierung will mehr als 800 Millionen Einwohner des Landes künftig pro Familie mit fünf Kilogramm Getreide für umgerechnet wenige Euro-Cent jeden Monat versorgen. Präsident Pranab Mukherjee unterschrieb am Freitag eine entsprechende Rechtsverordnung, mit der die armen Menschen des Landes unterstützt werden sollen. Doch laut der Tageszeitung „Times of India“ rügen Kritiker die Verordnung als unzureichend.

Die Verordnung für Ernährungssicherheit - Food Security Bill - sei ein „halbgares Lockmittel“, sagte der Zeitung zufolge der Minister für Öffentlichkeitsarbeit im Punjab, Bikram Singh Majithia. „Damit sollen am Vorabend der Wahlen nur die Massen geködert werden.“ Die veranschlagten fünf Kilo Reis, Weizen oder Hirse pro Familie erfüllten keinesfalls den Zweck, arme Familien zu versorgen.

Subventioniertes Getreide taucht auf regulären Märkten auf

Die Regierung hatte das 16 Milliarden Euro teure Programm am Mittwoch verabschiedet. Mit der Unterschrift des Präsidenten tritt es in Kraft, eine Zustimmung des Parlaments ist aber innerhalb von einem halben Jahr nötig. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung haben damit Anspruch auf Reis für umgerechnet vier Cent pro Kilogramm, Weizen für drei Cent und andere Getreidesorten für einen Cent.

Kritiker halten das Vorhaben zudem für viel zu teuer und wegen der schlechten Infrastruktur für kaum umsetzbar. Erst im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass in Indien Millionen Tonnen von Getreide verrotten, weil es zu wenig Lagerkapazitäten gibt. Bei ähnlichen Hilfsprogrammen wurden immer wieder Korruptionsskandale aufgedeckt, etwa wenn das subventionierte Getreide auf regulären Märkten auftauchte - einem BBC- Bericht zufolge gar zwischen 37 und 55 Prozent des subventionierten Getreides. Der Erfolg der Ernährungshilfe in Indien sei vielmehr abhängig davon, ob sichergestellt werden könne, dass die Nahrung auch wirklich die Bezugsberechtigten erreiche, sagte ein Ökonom der BBC.

In Indien sind laut Unicef etwa die Hälfte der Kinder unterernährt und zu klein. Trotz des starken Wirtschaftswachstums in den vergangenen 20 Jahren gehöre Indien noch immer zu den Ländern mit den meisten unterernährten Kleinkindern, schreibt die Weltbank.

 

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