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Neuklassifizierung von Tumoren könnte künftig die Behandlung vieler Krebspatienten verbessern

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Baku, den 14. Juni (AZERTAG). Brust-, Darm-, Prostatakrebs – bislang werden die Arten des Tumors danach eingeteilt, wo sich die Erkrankung abspielt. Forscher schlagen ein anderes System vor – und wollen so die Therapie verbessern. Eine Neuklassifizierung von Tumoren könnte künftig die Behandlung vieler Krebspatienten verbessern. Jeder zehnte Betroffene könnte eine angemessenere Therapie erhalten, wenn die Diagnose sich weniger nach dem befallenen Organ oder Gewebe richten würde als vielmehr nach den molekularen und genetischen Eigenschaften des jeweiligen Tumors. Das schließt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Cell“ aus der umfassenden Analyse Tausender Proben von zwölf verschiedenen Krebsarten.

„Krebs wird typischerweise anhand pathologischer Kriterien klassifiziert, die sich vor allem nach dem Ursprungsgewebe richten“, schreiben die Forscher um Christopher Benz vom Buck Institute for Research on Aging in Novato (US-Staat Kalifornien). „Inzwischen liefern großangelegte Genomprojekte jedoch detaillierte molekulare Charakterisierungen Tausender Tumore und ermöglichen damit eine molekular basierte Einordnung von Krebs.“

Im Rahmen des 2006 gestarteten Projektes „The Cancer Genome Atlas“ (TCGA) analysierten die Wissenschaftler aus den USA, Kanada und Spanien nun Erbgut und Proteine in mehr als 3500 Proben von zwölf Krebsarten, darunter Tumoren von Lunge, Brust, Niere oder Gehirn. Teilweise waren die gefundenen Eigenschaften typisch für das befallene Organgewebe, doch manche Varianten, die sich durch eine veränderte Aktivität bestimmter Gene auszeichneten, passten gleich zu mehreren Krebstypen.

So identifizierten die Forscher bei Blasenkrebs mindestens drei Subtypen. Einer davon war quasi deckungsgleich mit Adenokarzinomen der Lunge, ein anderer ähnelte stark Plattenepitheltumoren des Kopf-Hals-Bereichs. Die könne erklären, warum Blasenkrebspatienten „oft sehr unterschiedlich auf dieselbe systemische Therapie für ihren anscheinend identischen Krebstyp reagieren“, wird Benz in einer Pressemitteilung der University of California in San Francisco zitiert.

Auch bei bestimmten Brustkrebsarten fanden die Forscher Parallelen zu anderen häufigen Tumorvarianten. „Obwohl diese basalzellartigen Karzinome in der Brust entstehen, haben sie auf molekularer Ebene mehr mit Eierstocktumoren und Plattenepitheltumoren gemeinsam als mit anderen Brustkrebssubtypen“, sagt Koautorin Christina Yau von der University of California in San Francisco.

„Auf Grundlage dieser Studie würde einer von zehn Krebspatienten anhand dieser neuen Molekulargruppierung anders eingeordnet als mit dem gegenwärtigen System, das sich nach dem Ursprungsgewebe richtet“, schreiben die Forscher. „Falls man therapeutische Entscheidungen danach ausrichtet, würde diese Neuklassifizierung eine bedeutende Zahl von Patienten betreffen, die für nicht-konventionelle Therapien infrage kämen.“

„Das ist das erste Mal überhaupt, dass man wichtige molekulare Eigenschaften findet, die basalzellartiger Brustkrebs, Plattenepitheltumore von Kopf und Hals und Lungenkrebs gemeinsam haben“, sagt Benz' Kollegin Denise Wolf.

Demnächst wollen die Forscher im Rahmen des Projektes mehr als 20 Tumorarten untersuchen. „Wir erfassen gerade die Spitze des Eisbergs, wenn wir das Potenzial dieser Art von Genomanalysen betrachten“, betont Benz. „Möglicherweise müssen 30 bis 50 Prozent der Tumore neu eingeordnet werden. Dies wird letztlich die biologische Grundlage für jene Ära der personalisierten Medizin liefern, die Patienten und Mediziner so sehnsüchtig erwarten.“

 

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