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Neuseeland streitet über seine Flagge

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Baku, den 30. Januar (AZERTAG). Neuseeland will Briten aus der Flagge werfen. Bye bye, Union Jack? Neuseeland streitet über seine Flagge - viele wollen die Erinnerung an die britische Kolonialzeit loswerden.

Premier John Key plant nun einen Bürgerentscheid, ihm schwebt ein düsterer Entwurf vor.

Wer Neuseeland bereist, kommt um den Silberfarn kaum herum. Klar, die Pflanze aus der Familie der Cyatheaceae (Baumfarne) wächst an allen Ecken. Doch die Neuseeländer haben ihr Nationalgewächs so ins Herz geschlossen, dass sie es außerdem auf alles drucken, was nicht niet- und nagelfest ist. Schlüsselanhänger, Kaffeetassen, Rugby-Profis - überall prangt der Farn.

Nun entflammt in dem Land eine alte Debatte neu. Wenn der Silberfarn so sehr für Neuseeland steht, warum ziert er dann nicht auch die Nationalflagge? Premier John Key zählt zu den Fans des Farns - und würde die Bürger am liebsten per Volksentscheid über eine neue Fahne abstimmen lassen.

„Persönlich finde ich, dass der Farn die richtige Wahl ist. Er steht für unsere besten Sportteams. Man kennt ihn im Ausland, der Farn hat Schmiss“, so der Politiker. Er will die Möglichkeit eines Referendums nun mit seinen wichtigsten Ministern besprechen. Keys Vorstoß überrascht selbst die Kritiker, galt der Politiker doch bisher als eher pro-britisch und vor allem dem Königshaus zugetan.

Mit der alten Flagge gebe es immer wieder Probleme, erklärte Key weiter. Regelmäßig käme es zu Verwechslungen mit der australischen Flagge. Auch diese trägt den Union Jack, als Symbol für die britische Kolonialzeit. Allerdings prangen auf der australischen Flagge sechs weiße Sterne, bei der neuseeländischen sind es vier rote. In Neuseeland weht die Fahne mit dem Union Jack seit mehr als 140 Jahren.

Entsprechend hitzig wird das Thema diskutiert. Premier Key selbst räumt ein, dass eine Abstimmung wohl knapp ausfallen würde. Vor allem aus den Streitkräften gibt es Widerspruch. John Banks, dessen Act Party im Parlament die Regierung Key stützt, erklärte: „Unsere Truppen haben unter dieser Flagge gekämpft und ihr Leben gelassen. Da bin ich etwas altmodisch. Keine neue Fahne. Gott schütze die Königin.“ Neuseeland ist bis heute eine parlamentarische Monarchie, Königin Elisabeth II. firmiert als Staatsoberhaupt.

Auch bei Fachleuten gibt es Zweifel an den Plänen des Premiers. Grafikdesigner Dave Clark hat das Farn-Logo für die aktuellen Trikots der Rugby-Nationalmannschaft entworfen. Als Nationalflagge hält er es jedoch für problematisch. „Die schwarze Farbe wird mit Trauer, Tod und Traurigkeit assoziiert - zumindest in westlichen Kulturkreisen“, warnt er. Längst gibt es weitere Vorschläge: Man könnte ein Symbol der Maori-Ureinwohner verwenden oder nur die Sternenformation - ohne Union-Jack.

Egal, wie die Debatte ausgeht - mindestens bis April 2014 bleibt alles beim Alten. Für das Frühjahr haben sich der britische Prinz William und Familie für eine Visite angekündigt. Dann sollte im Land besser der Union Jack wehen.

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