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Niederlande planen die Abschaltung dreier Kohlemeiler

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Baku, 20. November, AZERTAC

Die Briten legen als erste Nation ein konkretes Datum für das Ende der Kohlekraft fest. Schon 2025 soll der letzte Meiler vom Netz gehen. Gleichzeitig will die Regierung stärker in Atomkraftwerke investieren.

Großbritannien will seine Kohlekraftwerke in den kommenden Jahren Schritt für Schritt vom Netz nehmen. Kohle sei "nicht die Zukunft", sagte Energieministerin Amber Rudd am Mittwoch. Zum Ausgleich wolle das Land, das seine Rolle als Vorreiter der industriellen Revolution nicht zuletzt seinen Kohlereserven verdankt, verstärkt in Gas- und Atomkraftwerke investieren. Dies stelle einen der bedeutendsten und kostengünstigsten Beiträge dar, die Großbritannien zur Reduzierung von Emissionen bei der Stromerzeugung leisten könne, sagte Rudd weiter.

Für eine fortschrittliche Wirtschaft wie die britische könne es nicht "zufriedenstellend" sein, "von schmutzigen und 50 Jahre alten Kohlekraftwerken abzuhängen". Gas hingegen sei "für die Energiesicherheit unserer Zukunft entscheidend", fügte die Ministerin hinzu. In den kommenden zehn Jahren sollten zahlreiche neue Gaskraftwerke in Betrieb genommen werden.

Obwohl Gas emissionsärmer als Kohle ist, setzt es beim Verbrennen immer noch erhebliche Mengen Kohlenstoffdioxid frei. Umweltschützer fordern daher, statt in Gas noch stärker in Wind- und Solarkraft zu investieren. Der Kohle abzuschwören, ist laut Simon Bullock von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth einerseits "unverzichtbar". Andererseits aber auf Gas zu setzen sei so, "als ob ein Alkoholiker von täglich zwei Flaschen Whisky auf täglich zwei Flaschen Portwein umsteigt", sagte Bullock.

Niederlande planen die Abschaltung dreier Kohlemeiler - Niklas Schinerl von Greenpeace Deutschland begrüßte, dass Großbritannien "den Klimakiller" Kohle aufgeben wolle. Zugleich warnte er aber davor, im Gegenzug auf die "teure Risikotechnologie" Atomkraft zu bauen. Zwei Wochen vor Beginn der Uno-Klimakonferenz in Paris nannte Schinerl es "eine Schande, dass ausgerechnet das Energiewendeland Deutschland sich weiter an die Kohle klammert".

Auch die niederländische Regierung prüft laut einem Bericht der Zeitung "NRC Handelsblad" die Schließung von drei Kohlekraftwerken. Das Fachmedium "energate" nennt als Grund dafür Zahlen der niederländischen Statistikbehörde CBS, wonach in dem Land der CO2-Ausstoß wegen großer Stromexporte schneller steige als das Wirtschaftswachstum. Dabei müssten die Niederlande nach einem Gerichtsurteil den CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um mindestens 25 Prozent reduzieren.

Eine Expertenkommission hält Deutschlands Ziele zur Minderung des CO2-Ausstoßes inzwischen für "erheblich gefährdet" - unter anderem weil unklar ist, wie Deutschland genug Kohlendioxid im Energiesektor einsparen kann. In Hamburg eröffnet Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag das umstrittene Kohlekraftwerk Moorburg.

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