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Nigeria rechnet sich an die Spitze von Afrika

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Baku, den 5. April (AZERTAG). Mit einem Schlag könnte Nigeria am Wochenende zur größten Volkswirschaft Afrikas werden. Auslöser dafür ist aber kein überraschender Wirtschaftsboom - sondern ein Versäumnis.

Historische Zäsur in Afrika: Nigeria löst Südafrika mit hoher Wahrscheinlichkeit am Wochenende als größte Volkswirtschaft des Kontinents ab. Möglich macht dies eine Reform der Berechnung des Bruttoinlandsproduktes, die das Statistikamt am Freitag ankündigte.

Während Industriestaaten wie Deutschland alle paar Jahre ihre Statistik an das veränderte Produktions- und Konsumverhalten anpassen, ist das in Nigeria seit 1990 nicht passiert. Internet- und Handy-Umsätze sowie die als „Nollywood“ bekannte Filmindustrie wurden daher zuletzt nur unzureichend berücksichtigt. Am Sonntag nun sollen die Ergebnisse der Neuberechnung veröffentlicht werden.

In Ghana erhöhte sich bei einer ähnlichen Reform die Wirtschaftsleistung auf einen Schlag um 60 Prozent. Nigeria reicht schon ein Plus von etwa 25 Prozent, um Südafrika vom Thron zu stoßen. Nach der bisherigen Berechnungsweise lag das Bruttoinlandsprodukt 2013 bei 292 Milliarden Dollar, in Südafrika bei 353 Milliarden Dollar.

Positive Folgen für die Wirtschaft - Durch den Aufstieg dürfte Nigeria noch attraktiver für Investoren werden. „Das hat positive Folgen für die Wahrnehmung des Landes“, sagte Ökonom Alan Cameron von CSL Stockbrokers in London. „Rund um den Globus wird nach der nächsten Wachstumsstory außerhalb Chinas und Indiens gesucht“, sagte auch der Chefanlagestratege von Gryphon Asset Management, Abri Du Plessis. „Und Afrika ist in den Köpfen der Investoren.“

In Nigeria sind schon die großen Konsumgüterhersteller präsent - von Nestle über Heineken und Cadbury bis hin zu Unilever. Auch große Produzenten von Baumaterialien wie Lafarge und Dangote Cement sind vor Ort. Das wachsende Interesse von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen an Nigeria könnte helfen, dessen Abhängigkeit von der Ölproduktion verringern. Auch für Geldgeber dürfte das Land interessanter werden. Schon jetzt liegt der Schuldenstand bei unter 20 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Deutschland sind es rund 78 Prozent. Durch die Neuberechnung sinkt die Quote weiter, ein Zahlungsausfall wird noch unwahrscheinlicher.

Allerdings ist in dem westafrikanischen Land mit seinen rund 152 Millionen Einwohnern nicht alles Gold, was glänzt. Es gibt eine miserable Qualität bei Telefon- und Internetverbindungen, verstopfte Straßen, Häfen und Flughäfen sowie eine Abhängigkeit von Dieselgeneratoren als wichtigster Stromquelle. Viele Investoren gehen deshalb davon aus, dass der Konkurrent im Süden des Kontinents vorerst das wichtigste Wirtschaftszentrum bleibt. „Südafrika bleibt der Einstiegsort für viele Fonds in Afrika“, sagt der Experte Rigaardt Maartens von PSG Online Securities.

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