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Nordkoreanischer Öltanker entkommt libyschem Militär

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Baku, den 11. März (AZERTAG). Ein mit illegal erworbenem Rohöl beladener nordkoreanischer Tanker hat den von libyschen Rebellen kontrollierten Hafen Al-Sidra offenbar verlassen. Er befinde sich bereits in internationalen Gewässern, berichteten arabische Medien und Angehörige der Separatistenbewegung, die das Geschäft eingefädelt hatte.

Das Verteidigungsministerium in Tripolis bestätigte die Information zunächst nicht. Ministerpräsident Ali Seidan sowie weitere ranghohe Politiker hatten noch am gestrigen Abend erklärt, die Marine habe das Schiff aufgebracht und eskortiere es zu einem von der Regierung kontrollierten Hafen.

An dem Tanker war der Streit zwischen den Rebellen im Osten des Landes und der Regierung in Tripolis eskaliert. Das Schiff hatte am Samstag im Hafen Al-Sidra festgemacht, der von den Rebellen kontrolliert wird. Sie wollen Erdöl auf eigene Rechnung verkaufen und so auch vom Reichtum des Landes profitieren.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sah im Hafen von Al-Sidra keinen Tanker. Mehrere Rebellen und mit ihnen sympathisierende Hafenarbeiter sagten, das Schiff sei um 3 Uhr ausgelaufen. Bewaffnete Boote der Rebellen hätten den Tanker bis in internationale Gewässer begleitet.

Am Vortag hatte das Parlament in Tripolis die Bildung von Spezialeinheiten des Militärs und einiger Milizen beschlossen, die die Häfen im Osten zurückerobern sollen. Am Dienstag setzte das Parlament dann Regierungschef Ali Seidan per Misstrauensvotum ab. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Lana. Den Angaben zufolge stimmten 124 Abgeordnete für den Misstrauensantrag. Die Amtsgeschäfte soll vorübergehend der Verteidigungsminister Abdullah al-Thenni übernehmen.

Milizen halten die Ölterminals von Ras Lanuf, Sueitina und Al-Sidra seit Juli besetzt, um ihrer Forderung nach regionaler Autonomie für den Osten Libyens und einer besseren Verteilung der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft Nachdruck zu verleihen. Der Rohstoff ist die wichtigste Einnahmequelle Libyens. Seit der Blockade der Ölterminals ist die Produktion von 1,5 Millionen Barrel pro Tag auf 250.000 gefallen.

Die Rebellen werden von Ibrahim Dschathran angeführt. Er war ein Kommandeur des Bürgerkriegs gegen den 2011 gestürzten Machthaber Muammar al-Gaddafi. Der Streit nährt die Furcht vor einer Spaltung des Landes.

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