WIRTSCHAFT


Nur Apple profitiert wirklich vom Smartphone-Boom

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Baku, den 22. Juli (AZERTAG). Die Konkurrenten Google und Samsung gewinnen zwar stetig Marktanteile – doch den Gewinn streicht nur der iPhone-Hersteller Apple ein. Das liegt vor allem an dessen Betriebssystem.

Der Internetkonzern Google erobert Europas Smartphones. Seit Dezember stieg der Anteil der neu verkauften Geräte mit dem Betriebssystem Android den Marktforschern von Kantar zufolge von 61,1 auf über 70 Prozent. Im Dezember 2011 war dagegen nur jedes zweite Internethandy mit der Google-Software ausgeliefert worden.

Auch den wichtigen asiatischen Markt dominieren Geräte mit Androids Betriebssystem, seit einem Jahr halten sie einen Anteil von über 70 Prozent. In den USA vermag Android einen Anteil von 52 Prozent stabil zu verteidigen. Konkurrent Apple dagegen verliert in Europa an Bedeutung, der Marktanteil neu verkaufter Smartphones sank seit Dezember von 26 auf knapp 18 Prozent.

In Asien konnte Apple zwar von Dezember bis April um fünf Prozentpunkte auf 25 Prozent zulegen, verliert aber mittlerweile wieder Marktanteile und liegt aktuell bei 23 Prozent. In den USA kann Apple zwar aktuell zulegen – doch geht das nur auf Kosten des schwächelnden Konkurrenten Blackberry, der mit unter einem Prozent Marktanteil in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.

Doch trotz dieser Dominanz ist der Smartphone-Markt für die großen Android-Spieler keineswegs so profitabel, wie die Marktanteile suggerieren. Denn die Spielregeln für die Gerätehersteller und ihren Softwarelieferanten Google sind völlig andere als die, denen Apple sich beugen muss. Das liegt vor allem daran, dass Google seine Software Android kostenlos abgibt. Die verblüffenden Folgen lassen sich an den jüngsten Quartalszahlen der Konzerne ablesen.

Microsoft verdient am Konkurrenzprodukt - Ausgerechnet Google-Konkurrent Microsoft weist in seiner Quartalsbilanz 222 Millionen Euro Smartphone-Umsatz aus. Dabei dümpelt der Marktanteil des hauseigenen Betriebssystems um fünf Prozent, zudem stützt Microsoft den finnischen Hersteller Nokia, seinen einzigen großen Abnehmer, Quartal für Quartal mit 250 Millionen Dollar, die mit Lizenzgebühren verrechnet werden.

Woher stammen also Microsofts Einnahmen? Von anderen Smartphone-Herstellern. Firmen wie Samsung, die Android einsetzen, müssen dafür Patentgebühren von bis zu zehn Dollar pro Gerät an Microsoft zahlen. Die kann der Konzern direkt als Gewinn verbuchen. Daher verdient Microsoft an jedem verkauften Android-Gerät mehr als Google selbst.

Der späte Einsteig des Suchmaschinenkonzerns in den Smartphone-Markt hat erhebliche Folgen für alle, die Google-Software einsetzen. Auch Apple verlangt von den Herstellern hohe Lizenzen, so zahlt etwa die taiwanesische HTC seit Anfang des Jahres sechs bis acht Dollar für jedes verkaufte Android-Gerät an Apple. Wer nicht zahlt, dem drohen Milliarden-Ausfälle durch Einfuhrverbote, Verzögerungen, Strafen und Gerichtskosten fürchten. Microsoft und Apple haben rege Rechtsabteilungen.

Google selbst profitiert dagegen kaum von Androids Erfolg. So musste der Konzern den defizitären Mobilfunker Motorola für mehr als zwölf Milliarden Dollar kaufen, um sich mehr als 17.000 Patente zu sichern. Nur dank dieses Schatzes hat Google in den 50 laufenden Patentverfahren weltweit eine Chance auf Verteidigung. Davon abgesehen bringt Motorola Google bislang nur Verluste. Mit 218 Millionen Dollar belastete die Tochter allein im vergangenen Quartal die Google-Bilanz, hinzu kommen große Marketing- und Restrukturierungskosten.

Billigkonkurrenz drückt Samsungs Margen - Der Erfolg von Android bedroht außerdem Googles Einnahmen im Kerngeschäft mit Anzeigen. Dank billiger Geräte auf Android-Basis surfen immer mehr Nutzer mit Mobilbrowsern. Doch Googles Kunden zahlen deutlich weniger für Anzeigen auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen als für Anzeigen in PC-Browserfenstern. Die Folge: Zwar konnte Google im vergangenen Quartal 23 Prozent mehr Mobil-Anzeigen verkaufen, doch die durchschnittlichen Erlöse pro Anzeige sanken um sechs Prozent, zum siebten Mal in Folge. Google verfehlte klar seine Quartalsprognose. „Das Mobilgeschäft hatte klar einen Einfluss“, gestand Finanzchef Patrick Pichette.

Auch bei Samsung, eigentlich dem größten Profiteur von Androids Erfolg, sprechen die Quartalszahlen Bände. Der koreanische Elektronik-Gigant verkauft aktuell den Marktforschern von IDC zufolge pro Quartal mehr als 60 Millionen Geräte – etwa 25 Prozent mehr als Apple – doch Samsung verfehlte seine Gewinnprognose deutlich.

Das Problem der Koreaner: Android verdankt seinen Erfolg vor allem den Geräten im Billig-Segment, die Verkaufszahlen für das margenstarke Topmodell Galaxy S4 blieben dagegen hinter den Erwartungen. Und ausgerechnet bei den Billighandys drückt der Wettbewerb mit den chinesischen Konkurrenten wie Huawei und ZTE die Margen deutlich. Googles Null-Preispolitik hilft ihnen dabei, schließlich haben sie keinerlei Aufwand für Softwareentwicklung. Konkurrent Apple dagegen kann seine Margen konstant hoch halten, und verdient überdies anders als die Android-Hersteller an den Software-Verkäufen im hauseigenen Appstore.

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