GESELLSCHAFT


Nur Krebs kann im ganzen Körper Metastasen bilden

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Baku, 17. September (AZERTAG). Krebs macht keine Unterschiede. Er trifft Frauen und Männern, Arme wie Reiche, alte Menschen, aber auch Kinder. Was passiert eigentlich im Körper, wenn sich aus gesunden Zellen tödliche Geschwüre bilden?

Wäre ihre Wirkung nicht so grausam, müsste man Krebszellen eigentlich bewundern: für ihr Geschick, sich zu vermehren, für ihre Rafinesse, der körpereigenen Abwehr zu entgehen, und für ihre Rücksichtslosigkeit, das eigene Überleben zu sichern.

Diese Fähigkeiten erklären aber auch, warum die internationale Krebsforschung den „Krieg gegen Krebs“ noch längst nicht gewonnen hat, den die US-Regierung 1971 erklärte. Das Ziel war eine Heilung in den nächsten 25 Jahren. Mit jeder Erkenntnis über das Krebsgeschehen rückte es in weitere Ferne.

Warum es im Kampf gegen Krebs bis heute nur Etappensiege gibt, und warum die Krankheit eine angsteinflößende, unheimliche Bedrohung geblieben ist, macht schon ein Blick auf die Entstehung begreiflich. In einem leisen, schleichenden und äußerst trickreichen Prozess entsteht aus gesunden Zellen eine potenziell tödliche Geschwulst. Die ganze Heimtücke der Krankheit ist bereits in ihrem Beginn angelegt.

In unserem Körper erneuern sich täglich unzählige Zellen, andere sterben ab. Neue Zellen entstehen durch Teilung. Während dieses Kopiervorgangs kommen häufig Fehler vor. Meist bleiben sie harmlos, weil das körpereigene Abwehrsystem die „kaputte“ Zelle zerstört. Krebs kann entstehen, wenn sich diese Zelle nicht auflöst, sondern weiter teilt, dabei das fehlerhafte Erbgut weitergibt und auf keines der Stoppsignale des Körpers mehr reagiert, die für die Balance zwischen Zellerneuerung und Zelltod sorgen.

„Erbgutmutationen sind Zufallsereignisse. Wenn sie Gene betreffen, die die Zellteilung regulieren oder den spontanen Zelltod, kann es zum unkontrollierten Wachstum und schließlich zur Krebsentstehung kommen“, erklärt Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungsinstituts. Der erste Schritt von der gesunden Zelle zum Krebsgeschwür (Karzinom) ist die Mutation der Erbinformation. Damit ein krankhafter Zellhaufen endgültig zum bösartigen Tumor wird, müssen aber bis zu zehn solcher Erbgutveränderungen erfolgen. Mutierte Zellen teilen sich deutlich schneller als die gesunden Zellen ihrer Umgebung.

Sie verändern ihr Äußeres, das Immunsystem erkennt sie nicht mehr als defekt. Außerdem bilden Krebszellen Blutgefäße zur optimalen Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Der Tumor wächst nun in gesundes Gewebe hinein und zerstört es dabei. Über sein Blutversorgungssystem dockt der Tumor an den Blutkreislauf an und schickt später seine Zellen in entfernte Körperregionen, er streut und bildet Tochtergeschwülste (Metastasen).

Die Fähigkeit, Gewebe nicht nur zu verdrängen, sondern zu zerstören und Metastasen zu bilden, unterscheidet Krebs von gutartigen Tumoren. Zwischen der ersten DNA-Mutation einer Zelle und dem nachweisbaren Tumor können Jahre und Jahrzehnte liegen. Der Heidelberger Krebsforscher Otmar Wiestler erklärt: „Von Krebs spricht man, wenn ein Tumor, also eine Geschwulst, bösartig ist: Das bedeutet, sie bricht aus ihrem Ursprungsgewebe aus, wächst invasiv in benachbartes Gewebe ein und führt häufig zu Fernmetastasen in anderen Organen.“

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