WISSENSCHAFT & TECHNOLOGIE


Origami-Mikroskop verblüfft mit 2000-facher Vergrößerung

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Baku, den 19. Juni (AZERTAG). Es ist spottbillig, passt in jede Hosentasche und kann winzige Dinge bis zu 2000-fach vergrößern. Beim Bau eines neuen Mikroskops haben sich Forscher von japanischer Papierfaltkunst inspirieren lassen. Dem Gerät macht es nichts aus, wenn man auf ihm herumtrampelt.

Auf den ersten Blick ist das Ding ein ziemliches Fliegengewicht. Das neue Falt-Mikroskop ist sieben Zentimeter lang, zwei Zentimeter breit und wiegt nur neun Gramm. Und seine Komponenten kosten zusammen weniger als einen Dollar, schreiben Manu Prakash von der Stanford University in Kalifornien und seine Kollegen im Fachmagazin „PLoS One“. Doch das Foldscope genannte Mikroskop kann eine bis zu 2000-fache Vergrößerung liefern.

Als Einsatzgebiete für das Mini-Mikroskop sehen die Forscher etwa Feldstudien, also Untersuchungen außerhalb des Labors. Ökologische Analysen, biologische Forschung und medizinisches Screening seien damit vor Ort möglich. Auch der Naturkundeunterricht oder Amateurforscher könnten davon profitieren: „Die Gelegenheit, Mikroskope erreichbar und verfügbar zu machen, kann Kinder anregen, die reiche biologische Vielfalt unseres Planeten zu untersuchen und eigene Entdeckungen zu machen, wie wir es bereits auf dem Gebiet der Amateurastronomie gesehen haben“, schreiben Prakash und Kollegen.

Nur eine Knopfzelle als Energiequelle nötig

Die Forscher wurden von zahlreichen US-Stiftungen finanziell unterstützt und haben ein Patent auf die Arbeit angemeldet. Sie werben damit, dass das Mikroskop in zehn Minuten zusammengebaut und einsatzbereit sein kann: Zunächst spannt der Nutzer einen Objektträger mit der Probe ein. Dann hält er das Gerät mit beiden Händen so nah vor seine Augen, dass die Augenbrauen das Papier berühren. Mit dem Daumen kann der Nutzer die Linse so bewegen, dass sie verschiedene Stellen der Probe zeigen und fokussieren kann. Während beim gewöhnlichen Mikroskop der Objektträger hin- und hergeschoben wird, ist er hier fixiert und der optische Apparat bewegt sich.

Moderne Techniken hätten es möglich gemacht, Mikrolinsen sehr günstig in großer Menge zu produzieren, erklären die Wissenschaftler. Zur Beleuchtung in ihrem Foldscope dient eine LED-Lampe, die nur eine Knopfzelle als Energiequelle benötigt. Sie liefert bis zu 50 Stunden Strom für die Beleuchtung. Unter freiem Himmel genüge jedoch meistens das Tageslicht, schreibt das Team um Prakash. „Unsere langfristige Vision ist es, einfache Wissenschaft allgemein zu verbreiten, indem wir dieses Gerät nutzen, um die Mikroskopie zu den Volksmassen zu bringen.“

Das Gerät ist außergewöhnlich robust. Die Forscher werben damit, dass man das Foldscope notfalls aus dem dritten Stock eines Gebäudes werfen kann - ohne dass es Schaden nimmt. Und auch wenn darauf herumgetrampelt wird, geht das Papiermikroskop nicht kaputt.

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