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Pirelli-Reifengeneration ist härter als Pneus des Vorjahres

Baku, 24. April, AZERTAC

Würde die komplette Freigabe der Reifenwahl die Formel 1 spannender machen? 2015 vertrat bereits Force Indias stellvertretender Teamchef Robert Fernley diese Meinung, jetzt schlägt sich Formel-1-Legende Alain Prost auf seine Seite.

"Lasst die Fahrer aus den fünf Reifensorten 13 Sets nach ihrer Wahl zusammenstellen", forderte der Franzose, der stets als großer Taktiker bekannt war, gegenüber "auto motor und sport". Er würde sogar erlauben, dass bei einem Auto gleichzeitig unterschiedliche Reifentypen zum Einsatz kommen.

Auch den Pflichtstopp würde er abschaffen: "Wenn einer mit harten Reifen ohne Boxenstopp durchfahren will, bitte. Vielleicht ist ein anderer mit 2 Stopps und durchweg der weichsten Mischung schneller." Seiner Ansicht nach würden sich dadurch interessante Rennverläufe ergeben. Doch wie schon vor zwei Jahren hält Pirelli nicht viel von diesem Vorschlag.

Damals empfand man es als zu gefährlich, wenn ein Team zu weiche Pneus nominiert, nun argumentiert man, dass die Spannung darunter leiden würde. "Wenn man den Teams die Chance gibt, ohne Stopp das Rennen zu bestreiten, werden die meisten in diese Richtung arbeiten", befürchtete Pirellis Rennleiter Mario Isola im Gespräch mit "auto motor und sport". Und dann wäre das Strategieelement aus der Formel 1 verschwunden.

"Formel-1-Autos zu sensibel" -Auch, weil die aktuelle Pirelli-Reifengeneration härter ist als die Pneus des Vorjahres. "Wenn man den jeweils härtesten Reifen bei einem Rennen nimmt, könnte man fast die gesamte Distanz durchhalten", ist der Italiener sicher. Und auch vom Vorschlag, verschiedene Reifentypen bei einem Auto einzusetzen, findet er nicht unbedingt zielführend: "Das funktioniert vielleicht bei einem GT-Auto, dass man eine härtere Mischung für den stärker belasteten Vorderreifen wählt. Aber Formel-1-Autos sind dafür zu sensibel."

Die Balance des Autos würde darunter laut dem Pirelli-Rennleiter ebenfalls leiden, da zwischen den unterschiedlichen Reifentypen oft ein Zeitunterschied von über einer Sekunde pro Runde liegt. "An der Vorderachse hätte man viel mehr Grip als hinten", schlussfolgert Isola. "Das führt zwangsläufig zu großem Übersteuern und Rutschen. Es wäre unglaublich schwer für die Teams, die beiden Achsen auszubalancieren."

Woran Pirelli allerdings arbeiten will: der Aufwärmprozess. Für die Fahrer ist es dieses Jahr deutlich schwieriger, die neuen Pneus in das richtige Arbeitsfenster zu bringen. Das macht es vor allem für Rookies wie Stoffel Vandoorne oder Lance Stroll im Qualifying schwierig. Die beiden hatten bislang gegen ihre routinierten Teamkollegen Fernando Alonso und Felipe Massa kaum eine Chance.

Das Problem der vergangenen Jahren, dass die Reifen beim Hinterherfahren rasch überhitzen und sich nicht mehr erholen, ist hingegen bei weitem nicht mehr so groß wie zuletzt. Isola verspricht: "Wir wollen das Arbeitsfenster vergrößern, und versuchen, Überhitzungserscheinungen am besten so gering wie möglich zu halten."

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