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Präsidentenwahl in Frankreich: Team Macron feiert die 23,9 Prozent in erster Runde

Baku, 24. April, AZERTAC 

Morgens um sechs Uhr ist die Welt wieder in Ordnung. Rund um das Hauptquartier von Emmanuel Macron im 15. Pariser Arrondissement werden Sektflaschen und Plastikbecher zusammengefegt. Hier hat das Team Macron die 23,9 Prozent in der ersten Runde der Präsidentenwahl gefeiert, während der Anführer der Bewegung "En Marche!", Hand in Hand mit Ehefrau Brigitte von seinen Fans von Ovationen überschüttet wurde: "Merci, merci, merci!"

Dort Freude, Frust hingegen bei Marine Le Pen, die mit 21,7 Prozent nur als Zweite durchs Ziel geht. Die Front-National-Chefin hat alle Mühe, den verfehlten Sieg als Triumph zu verkaufen: "Das Resultat ist historisch, es ist an der Zeit, das französische Volk zu befreien", wettert Le Pen in ihrer Wahlheimat von Hénin-Beaumont, im Norden Frankreichs. Nach dem ersten Statement bröselte die Stimmung. Auf der Tanzfläche im "Zentrum François Mitterrand", so zeigen es Tweets, mühten sich nur wenige Paare zu Diskomusik ab.

"Bonjour Tristesse" heißt es in den angemieteten Büros des Republikaners François Fillon, der mit 20,0 Prozent den zweiten Durchgang verpasste. Katzenjammer auch unter den Anhängern des Linken Jean-Luc Mélenchon, der trotz beachtlicher 19,2 Prozent am Einzug ins Finale scheiterte. Pure Verzweiflung schließlich bei der Sozialistischen Partei, versammelt am Maison de la Mutualité, dem traditionellen Treffpunkt: Nach dem Desaster von Benoît Hamon (6,3 Prozent) leert sich der Saal, eine enttäuschte Genossin greift liegengebliebene Wimpel in Blau-Weiß-Rot: "Die kann ich beim nächsten Fußballspiel benutzen."

Frankreich am Morgen nach dem ersten Wahlgang bedeutet Aufräumen - auch politisch.

Macrons private Wahlfete in der Brasserie La Rotonde ist gerade vorüber, da steuert sein Kampagnen-Stab schon wieder mit Hochdruck auf die Organisation der kommenden Wochen zu. Die TV-Debatte mit Le Pen will vorbereitet sein und Meetings quer durch die Republik sind geplant, zur Mobilisierung auch jener Wähler, die beim ersten Votum nicht für den Mann der Mitte gestimmt haben.

Denn Macrons Sieg hat ihm zwar den Weg zum Élysée-Palast geebnet: "Die Rechte ist K.o.", titelt der "Figaro" und "Liberation" sieht den parteilosen Zentrumspolitiker schon fast im Amt: "Nur noch eine Stufe entfernt." Doch als jugendlicher Newcomer ohne staatsmännische Erfahrung muss Macron nun auch bei wertkonservativen Franzosen in die Rolle des Amtsträgers schlüpfen.

Zumindest sein sprachlicher Habitus orientiert sich schon am präsidialen Pathos: "Ich spüre die außerordentliche Verantwortung, die mir jetzt zukommt", dröhnt Macron und bedankt sich artig und namentlich bei allen seinen Rivalen. "Ich empfinde eine schwere Freude", sagt der 39-Jährige. Immerhin geht es jetzt um "die Hoffnung für unser Land und für Europa".

Für die Umsetzung seiner ambitionierten Pläne braucht der charismatische Ex-Banker aber mehr als die ihm ergebenen Getreuen seiner Graswurzelorganisation "En Marche!". Macron muss vor allem eine stabile parlamentarische Mehrheit zusammenschmieden.

Mögliche Koalition in der Nationalversammlung - Zwar haben sich einige Konkurrenten des ersten Wahlganges reflexartig hinter seine Kandidatur gestellt - als "republikanischer Damm" der Demokraten gegen die rechtsextreme Gefahr des Front National. Doch Macron braucht nicht nur die Unterstützung beim Duell gegen Le Pen; noch mehr bedarf es einer dauerhaften Fraktion in der Nationalversammlung.

Zwar hat seine Bewegung für die Wahlen im Juni genug Bewerber sortiert, um in allen Bezirken des Landes mit eigenen Frauen und Männern präsent zu sein. Doch es ist fraglich, ob sich die von Macron gepriesenen "Vertreter der Zivilgesellschaft" gegen die alteingesessenen Honoratioren werden durchsetzen können.

Zumal die Parlamentswahlen für die gedemütigten Traditionsparteien die letzte Chance sind, ihr politisches und finanzielles Überleben zu sichern: An der Spitze der Republikaner droht ein Machtkampf, weil Parteichef Fillon in Sachen "Penelopegate" vor den Ermittlungsrichtern auftreten muss. Und nach der Schlappe von Hamon stehen auch die Sozialisten, zersplittert in Realos und Ideologen, am Rand einer Existenzkrise.

Wahlabsprachen zwischen Macrons Bewegung und den Strategen der bisherigen Traditionsparteien könnten daher nicht nur manchem Parlamentarier den Abgeordnetensessel im Palais Bourbon warmhalten. Die lokalen Bündnisse könnten ihm als künftigen Staatschef letztendlich auch zu einer Koalition in der Nationalversammlung verhelfen. Immerhin: Als Ex-Wirtschaftsminister in der noch amtierenden Regierung verfügt Macron schon jetzt über den Rückhalt von Dutzenden sozialistischer Promis, die in sein Lager übergelaufen sind.

Offiziell gelten derartige Kungeleien an der Basis freilich als Symptome des alten Systems. Und nach dem Blitzsieg von "En Marche!" ist deren Anführer vorläufig nicht von Selbstzweifeln geplagt. "Ich will in 15 Tagen euer Präsident werden, der Präsident aller Franzosen, Präsident der Patrioten im Angesicht der nationalistischen Gefahren", ruft er seinen Fans zu. Und setzt optimistisch hinzu: "Wir werden gewinnen."

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