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Pulque sicherte auch die Nährstoffversorgung der Mittelamerikaner

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Baku, 17. September (AZERTAG). Es ist der älteste direkte Beleg für die Produktion alkoholischer Getränke in Mittelamerika. Schon vor etwa 1800 Jahren haben die Menschen dort offenbar aus Agavensaft Pulque gebraut - geholfen hat ihnen dabei ein Bakterium. Forscher haben den nach eigenen Angaben frühesten direkten Beleg für die Herstellung von Alkohol in Mittelamerika entdeckt. Demnach stellten Menschen in der damaligen Metropole Teotihuacán bei Mexiko-Stadt schon spätestens im Jahr 550 aus Agaven das Getränk Pulque her. Das belegen Produkte von Bakterien, die maßgeblich an der alkoholischen Gärung beteiligt sind.

Das Getränk diente nicht nur zum Berauschen, sondern sicherte auch die Nährstoffversorgung der Bevölkerung, berichtet das internationale Team um Richard Evershed von der englischen Universität Bristol in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Das etwa 50 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt gelegene Teotihuacán entstand etwa im 2. Jahrhundert vor Christus und entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten vermutlich zu einer der größten Städte der damaligen Zeit, mit schätzungsweise 100.000 Einwohnern. Im 7. Jahrhundert wurde die Metropole verlassen. Wandgemälde und Tongefäße deuteten bereits früher auf den Genuss von Pulque hin.

Bei der alkoholischen Gärung des Agavensafts spielt das Bakterium Zymomonas mobilis eine Schlüsselrolle. Zum Schutz vor der Säure und dem Alkohol enthält die Membran des Organismus eine hohe Konzentration bestimmter Moleküle, sogenannter Hopanoide. Darauf analysierten die Forscher nun mehr als 300 Tonstücke aus dem Zeitraum von 200 bis 550 nach Christus. Fündig wurden sie in 14 Scherben. Zehn davon stammten von Amphoren, die vermutlich zur Lagerung oder zum Transport von Pulque gedient hatten.

„Diese Resultate liefern zwingende Belege für den Gebrauch von Tongefäßen, die Pulque um die Jahre 200 bis 550 enthielten, auf dem Höhepunkt der Ausdehnung und Macht von Teotihuacán“, schreiben die Wissenschaftler. Es gebe kaum noch Zweifel, dass Pulque in Teotihuacán hergestellt wurde. Dies sei der erste direkte chemische Beleg für die Produktion alkoholischer Getränke in Mesoamerika vor Ankunft der spanischen Konquistadoren.

Das Agavengetränk mit einem Alkoholgehalt von etwa 4,5 Prozent sicherte demnach auch die Nährstoffversorgung der Bevölkerung. Pulque stille nicht nur Hunger, sondern enthalte auch viele Nährstoffe sowie Substanzen, die die Verfügbarkeit von Eisen und Zink im Körper erhöhen, schreibt das Team. Gerade diese Mineralien fehlten demnach in der auf Mais basierenden sonstigen Ernährung der Bewohner von Teotihuacán.

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