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Regierung in Pjöngjang lädt US-Gesandten wieder aus

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Washington, den 10. Februar (AZERTAG). In diesem Monat beginnt das jährliche Co-Manöver der südkoreanischen und US-amerikanischen Truppen auf der koreanischen Halbinsel. Die gewaltige Waffenschau sorgt traditionell für eine Verschlechterung der ohnehin schon miesen diplomatischen Beziehungen zwischen Süd- und Nordkorea sowie den USA. Das hat sich in diesem Jahr offenbar nicht geändert. Die Regierung in Pjöngjang hat den US-Gesandten für Nordkorea ausgeladen, der sich in dem Land für die Freilassung des inhaftierten US-Bürgers Kenneth Bae einsetzen wollte.

„Wir sind zutiefst enttäuscht von der Entscheidung Nordkoreas, seine Einladung an Botschafter Robert King zurückzuziehen“, teilte das US-Außenministerium am Sonntagabend in Washington mit. Es ist bereits das zweite Mal, dass Nordkorea in letzter Minute einen geplanten Besuch des US-Gesandten in der Angelegenheit Baes abgesagt hat. Eine offizielle Begründung für den Vorgang gibt es aus Nordkorea bisher nicht.

US-Außenamtssprecherin Jennifer Psaki rief die Führung in Pjöngjang auf, Bae eine „Sonderamnestie“ zu gewähren und ihn in einer „humanitären Geste“ umgehend freizulassen, damit er seine Familie wiedersehen und sich medizinisch behandeln lassen könne. Psaki erklärte, die USA unterstützten die Initiative des US-Geistlichen Jesse Jackson, der sich seinerseits in Pjöngjang für Bae einsetzen will.

Am Freitag hatte die US-Regierung mitgeteilt, der 45-jährige Bae sei von einem Krankenhaus in ein Arbeitslager verlegt worden. Bae war im November 2012 im Nordosten des abgeschotteten Landes festgenommen worden. Im April 2013 wurde er wegen „feindlicher Aktivität“ zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt, wegen seiner angeschlagenen Gesundheit wurde er aber im August in ein Krankenhaus gebracht.

Nach Darstellung Pjöngjangs handelt es sich bei Bae um einen militanten evangelikalen Christen, der die Nordkoreaner zum Sturz der Führung aufwiegeln wollte. US-Angaben zufolge ist Bae als Reiseveranstalter tätig.

Psaki betonte, der Fall Bae dürfe keinesfalls mit den US-Militärübungen in Verbindung gebracht werden. Die gemeinsamen Manöver mit Südkorea seien „transparent, regulär geplant und verteidigungsorientiert“, erklärte die Sprecherin.

Die nächste Übung fällt zeitlich zusammen mit einem Treffen von Familien, die durch den Korea-Krieg getrennt wurden. Das erste derartige Treffen seit mehr als drei Jahren war vergangene Woche zwischen Nord- und Südkorea vereinbart worden. Es soll vom 20. bis zum 25. Februar stattfinden, Nordkorea droht jedoch mit einer Absage.

 

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