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Rentiere müssen mit extremen Wechseln klarkommen

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Baku, den 30. Oktober (AZERTAG). Der Winter in der Arktis ist nicht nur bitterkalt - er ist auch ziemlich finster, wenn es die Sonne nicht mehr über den Horizont schafft. Rentiere haben deswegen einen Trick entwickelt, um auch im Zwielicht gut sehen zu können.

Rentiere müssen mit extremen Wechseln klarkommen. Im Winter ist es in ihrer arktischen Heimat ausgesprochen ungemütlich, im Sommer könnten sie dagegen ins Schwitzen kommen - doch Temperaturunterschiede von bis zu 80 Grad machen den Paarhufern nichts aus. Verantwortlich dafür ist eine Nase, die als Heizer und Kühler gleichzeitig funktioniert.

Rentiere können zudem auch ihre Augen an die sehr unterschiedlichen Verhältnisse im arktischen Sommer und Winter anpassen. Oberhalb des nördlichen Polarkreises geht im Sommer die Sonne mehrere Monate nicht unter, und es ist durchgehend hell. Im Winter versinkt die Arktis hingegen in monatelanger Dunkelheit, weil die Sonne nicht über den Horizont steigt.

Die Rentiere passen sich diesen Verhältnissen an. Sie verändern die Farbe einer speziellen Schicht hinter der Netzhaut so, dass im dunklen Winter weniger Licht aus dem Auge hinaus reflektiert wird, berichten Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“. Die Augen der Tiere seien durch diese Konstruktion sehr viel lichtempfindlicher - allerdings auf Kosten der Sehschärfe.

Viele nachtaktive Tiere besitzen ein sogenanntes Tapetum lucidum - eine reflektierende Schicht, die meist direkt hinter der Netzhaut liegt. Sie wirft einfallendes Licht zurück, so dass die Photonen ein zweites Mal die Netzhaut - und die lichtempfindlichen Zellen - passieren. Das Tapetum sorgt zum Beispiel dafür, dass Katzenaugen gelb aufleuchten, wenn im Dunkeln plötzlich Licht hinein fällt.

Forscher um Karl-Arne Stokkan von der Universität im norwegischen Tromsø stellten nun fest, dass die Schicht bei Rentieren im Sommer golden scheint, im Winter hingegen dunkelblau. Sie vermuten, dass das eine Reaktion auf die stark unterschiedlichen Lichtverhältnisse im Verlauf des Jahres ist.

Die Forscher zeigten in Experimenten mit dem isolierten Tapetum, dass im Sommer mehr als 95 Prozent des einfallenden Lichts direkt wieder aus dem Auge heraus reflektiert werden. Im Winter wird das Licht am Tapetum hingegen stark gestreut, so dass ein größerer Teil die Photorezeptoren im Auge ein zweites Mal passiert, berichten die Wissenschaftler. Die Streuung werde dadurch erreicht, dass sich die Abstände zwischen den Kollagen-Bausteinen des Tapetums verengen. Dies wiederum sei vermutlich eine Folge des im Winter erhöhten Augendrucks.

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