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Rohstoff fließt von Russlands Ölfeld „Große Kraft“ fast nur nach China

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Baku, 14. Mai, AZERTAC

Acht Flugstunden östlich von Moskau liegt Russlands modernstes Ölfeld „Große Kraft“. Der Rohstoff fließt von hier fast nur nach China, dem neuen Partner Russlands. Die Pipeline Richtung Westen liegt praktisch brach.

Wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, leuchtet das Eis am Polarkreis rot vom Feuer der riesigen Fackeltürme. Sie verbrennen überschüssiges Gas, das bei der Ölförderung in Sibirien entsteht. Die Flammen lassen die Schatten der Bohrtürme tanzen. Wankor heißt dieses Ölfeld in Russlands hohem Norden, in der Sprache der Rentier-Hirten bedeutet das „große Kraft“.

Die große Kraft schlummert im Permafrost-Boden. Fast 900 Millionen Tonnen Erdöl will der Staatskonzern Rosneft aus dem sogenannten Wankor-Cluster pumpen. Dafür hat der Ölriese insgesamt fünf Milliarden Dollar investiert. Es ist das größte Ölfeld, das Russland seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Betrieb genommen hat. Die mehr als 3000 Menschen ringen dem Boden hier unter schwersten Bedingungen seinen schwarzen Schatz ab. Im Winter sinkt die Außentemperatur auf minus 50 Grad Celsius. Im Sommer setzen Mückenschwärme den Arbeitern zu.

Maximal 30 Tage sind die Männer in Wankor im Einsatz, dann gibt es 30 Tage Heimaturlaub. Alexej Matwejew, 29, ist einer der Ölarbeiter. Er sagt, er nehme die Strapazen gern in Kauf: „Für jeden Ölmann ist Wankor ein Privileg“, sagt er.

In Ostsibirien lässt sich aber auch eine Verschiebung der globalen Gewichte beobachten. Russland hat über Jahre den größten Anteil seines Öls an den Westen geliefert. Das ändert sich nun. Europa will unabhängig werden von Energie aus dem Osten. China hingegen avanciert zum „strategischen Partner“ und zum wichtigen Importeur russischen Öls. Die Ausfuhren nach Europa gingen im vergangenen Jahr zurück, die in die Volksrepublik dagegen stiegen um 36 Prozent.

Das meiste Öl für die Chinesen stammt aus Wankor. In der Taiga gibt es zwar auch eine Pipeline, die Richtung Westen führt. Die Leitung liegt aber praktisch brach, drei Viertel der Fördermenge gehen nach Osten.

Insgesamt verkauft der staatliche Rosneft-Konzern zwar noch deutlich mehr Öl nach Westen als an China.

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