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Rot macht Frauen eifersüchtig

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Baku, den 12. Juli (AZERTAG). Frauen, die sich mit anderen Frauen gut stellen wollen, sollten wohl eher auf rote Kleidung verzichten. Schon länger war bekannt, dass Männer Frauen besonders attraktiv finden, wenn diese rote Kleidung tragen. Nun zeigt sich. Auch Frauen stufen Frauen in Rot nach dem ersten Eindruck als attraktiver ein, aber auch als untreu und gefährlich für die eigene Beziehung. Es drohen Eifersucht und Zickenkrieg.

Andrew Elliot von der University of Rochester im US-Bundesstaat New York und Kollegen testeten die Wirkung der Signalfarbe auf insgesamt gut 660 Frauen unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Im ersten Versuch sollten knapp 200 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren entweder eine rot oder eine weiß gekleidete Frau bewerten. In einem Onlinefragebogen schätzten die Studienteilnehmer die sexuelle Offenheit ein, etwa wie stark die Frau auf dem Bild dem Eindruck nach an Sex interessiert ist.

Es zeigte sich, dass die gleiche Frau in Rot gekleidet als deutlich empfänglicher für sexuelle Reize eingestuft wurde, als wenn sie weiß oder grün trug. Ob diese Einschätzung auch zu verstärkter Eifersucht und Konkurrenzdenken führt, testeten die Forscher in zwei weiteren Experimenten. „Eifersucht äußert sich, indem schlecht über eine andere Person gesprochen wird, um diese minderwertig, lästig oder unsympathisch erscheinen zu lassen“, erklärt Elliots Kollege Adam Pazda.

Rot = untreu - Also sollten die Testpersonen einschätzten, für wie wahrscheinlich sie es hielten, dass die abgebildete, entweder in rot oder weiß gekleidete Frau Männer betrügt. Im dritten Versuch mit ausschließlich liierten Studentinnen fragten die Forscher zudem, wie gern die Testpersonen die abgebildete Dame ihrem Freund vorstellen würden oder ihn allein Zeit mit dieser verbringen lassen würden.

In beiden Versuchen stellten die Testpersonen die Treue der rot gekleideten Damen deutlich stärker infrage. Außerdem wollten sie die rot gekleidete Frau häufiger nicht mit ihrem Partner allein lassen.

Die Ursache des Rotfaibles - Die Versuche zeigten, dass beide Geschlechter Rot als sexuelle Signalfarbe betrachten, schreiben Andrew Elliot und Kollegen in der Fachzeitschrift „Personality and Social Psychology Bulletin“. Ob soziale Prägung oder biologische Mechanismen der Grund dafür sind, bleibe allerdings offen. Möglicherweise spiele auch beides eine Rolle. Beobachtungen bei Verwandten des Menschen liefern Hinweise.

So lässt sich bei Schimpansen beobachten, dass Weibchen, die neu zu einer Gruppe stoßen besonders aggressiv von Geschlechtsgenossinnen angegangen werden, wenn sie begattungsbereit sind. Dann sind ihre Geschlechtsteile gut durchblutet, geschwollen und rot.

Bei Rhesusaffen kann ein rotes Gesicht Paarungsbereitschaft signalisieren. Selbst als Forscher nicht paarungswillige Tiere rot anmalten, reagierten Artgenossen intensiv auf die roten Gesichter. Offenbar nehmen sie die optische Veränderung wahr.

Unerwünschte Nebenwirkungen - Dennoch könnten derzeit noch keine eindeutigen Schlüsse gezogen werden, woher die Vorliebe für rot kommt, schreiben Elliot und Kollegen. Es wäre interessant zu erfahren, wie die Farbe im Vergleich zu gelb, blau oder schwarz abschneidet. Vor allem der Vergleich zu schwarz scheint reizvoll, da es ebenfalls als sexy und zudem elegant gilt. Außerdem müsse noch stärker differenziert werden, was rote Kleidung in unterschiedlichen Kulturen über eine Person sagt.

Offen bleibt auch, wie groß der Einfluss der Farbe auf die Gesamtbewertung der Attraktivität ist. Oder anders gefragt: Macht rot allein aus einem Entlein einen Schwan? So weit geht der Einfluss vermutlich nicht. Dennoch könne die Auswahl der Kleiderfarbe im Alltag unerwünschte Nebenwirkungen haben, schreiben die Forscher.

Etwa, wenn eine Frau sich im Arbeitsumfeld rot kleidet und dadurch unabsichtlich sexuelle Verfügbarkeit signalisiert. Ob aber rote Kleidung im täglichen Leben tatsächlich zu Streitigkeiten unter Frauen, Ausgrenzung oder Bevorzugung beiträgt, zeigt die aktuelle Studie nicht.

 

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