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Rückseite des Mondes

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Baku, 11. September, AZERTAC 

Bisher hat dort noch niemand eine weiche Landung gewagt - jetzt wollen es chinesische Forscher versuchen. Die Sonde „Chang'e 4“ soll innerhalb der nächsten fünf Jahre auf der Rückseite des Mondes landen und dort Daten sammeln.

Seit nicht einmal 60 Jahren weiß die Menschheit, wie es auf der Rückseite des Mondes aussieht. Am 7. Oktober 1959 sendete die sowjetische Sonde „Lunik 3“ insgesamt 29 Bilder von dort. Eine sogenannte gebundene Rotation sorgt dafür, dass von der Erde immer nur eine Seite des Mondes zu sehen ist. Konkret sind 41 Prozent der Mondoberfläche für uns verborgen. Bisher hat es noch keine weiche Landung einer Sonde dort gegeben. Nun schickt sich China an, das zu ändern.

Mondwissenschaftler Zou Yongliao von der chinesischen Akademie der Wissenschaften berichtete im staatlichen Fernsehsender CCTV von den Plänen. Demnach soll die Sonde „Chang'e 4“, benannt wie ihre Vorgängerinnen nach der chinesischen Mondgöttin, die Geologie auf der erdabgewandten Seite des Mondes untersuchen.

Dort gibt es zum Beispiel das riesige Südpol-Aitken-Becken, das bis zu 13 Kilometer tief ist. In dem 2500 Kilometer großen Krater könnten nach Ansicht vieler Forscher Gesteine aus dem Mantel des Modes freiliegen, nachdem dort einst ein riesiger Körper eingeschlagen ist. Auch Wassereis soll es dort geben.

Daten müssen weitergeleitet werden - Interessant ist die Mondrückseite aber auch für Radioastronomen. Sie könnten von dort aus in die Tiefen des Alls blicken, ohne durch Signale von der Erde gestört zu werden. Der Mond wirkt wie ein riesiger Schutzschild und schirmt diese ab. Das folgende Video zeigt die Mondrückseite - es stammt von einer der „Grail“-Zwillingssonden der Nasa.

Einen genauen Zeitpunkt für den Start haben die Chinesen bisher noch nicht festgelegt. „Chang'e 4“ soll sich aber laut Zou noch vor dem Jahr 2020 auf den Weg machen. Diese schnelle Umsetzung der Pläne lässt sich damit erklären, dass es die nötige Sonde bereits gibt. Sie wurde als Ersatz für „Chang'e 3“ gefertigt. Diese war im Dezember 2013 auf dem Mond gelandet und hatte auch einen kleinen Rover namens „Jadehase“ dorthin gebracht. Wegen eines technischen Defekts hatte das Mondauto zwar nicht allzu weit fahren können, aber große Mengen an Daten gesendet.

Große Schwierigkeiten bei einer Mission zur Mondrückseite macht die Kommunikation. Direkte Verbindungen zur Erde sind nicht möglich. Daher benötigt man eine Sonde in der Mondumlaufbahn, die Daten von der Oberfläche weiterleiten kann.

Noch vor „Chang'e 4“ soll nach chinesischer Planung „Chang'e 5“ abheben. Und auch auf diese Sonde warten interessante Aufgaben. Nach ihrem Start im Jahr 2017 soll sie Proben von Mondmaterial sammeln - und dann mindestens zwei Kilogramm davon zur Erde zurückbringen. Außer Sowjets und Amerikanern hat so etwas bisher noch niemand geschafft.

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