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Russische Raumfahrt steckt in der Krise

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Baku, 19. Mai, AZERTAC

Die russische Raumfahrt steckt in der Krise, nun droht die Regierung mit Strafen. Ministerpräsident Medwedew will, dass die Verantwortlichen für die Folgen der Pannen zahlen - aus eigener Tasche.

Nach den jüngsten Fehlschlägen für die russische Raumfahrt will die Regierung die Verantwortlichen persönlich zur Kasse bitten. Sie müssten „aus eigener Tasche“ für die Pannen bezahlen, sagte Regierungschef Dmitrij Medwedew in Moskau. Alle Beteiligten müssten „verstehen, dass sie auch die materielle Verantwortung tragen“, betonte der Ministerpräsident.

Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos hat am Wochenende zwei Fehlschläge in Folge einstecken müssen. Zunächst sorgte eine Panne am Antriebssystem eines „Progress“-Frachters am Samstag für Steuerprobleme der Internationalen Raumstation ISS, die inzwischen behoben wurden.

Nur Stunden später wurde bei einer "Notfallsituation" mit einer Proton-M-Trägerrakete ein mexikanischer Satellit zerstört. Der Schaden lag Medien zufolge bei 390 Millionen US-Dollar (rund 341 Millionen Euro). Nun müssten die Ursachen der Pannen gefunden werden, forderte Medwedew. Diese schadeten dem Ruf des russischen Raumfahrtprogramms.

Der für den Raumfahrtsektor zuständige Vize-Regierungschef Dmitrij Rogosin sagte, bis die Unglücksursachen gefunden seien, würden alle Proton-M-Raketen am Boden bleiben.

Erst Ende April war nach der Fehlzündung einer Sojus-Raketenstufe der Transport eines unbemannten Raumschiffes zur Versorgung der ISS gescheitert. Der Progress-Frachter verglühte am 8. Mai beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Der Rücktransport von drei Astronauten von der ISS wurde daraufhin um einen Monat verschoben.

Systemkrise - Rogosin sprach mit Blick auf die Probleme mit den Proton-Raketen von einer „Systemkrise“. Nach den Katastrophen 1988 und 2014 seien zwar jeweils Untersuchungskommissionen gegründet und Konsequenzen gezogen worden, dennoch gebe es immer neue Havarien, schimpfte er. Der Politiker forderte die Roskosmos-Führung auf, Missstände umgehend zu beseitigen.

Er kündigte einschneidende Reformen an. Geplant sei ein neuer großer Staatskonzern mit technischen Neuausstattungen und besserer Bezahlung für Spezialisten.

Experten warnten, dass die Pannen Russlands führende Marktposition für Raumfahrtdienstleistungen gefährden könnten. Die Branche sei wegen oft veralteter Technik, zu wenig qualifiziertem und oft unterbezahltem Personal nicht konkurrenzfähig. Dabei will Roskosmos in diesem Jahr Dutzende Satelliten ins All schicken und so auf diesem umkämpften Markt Millionen einnehmen.

„In der Raumfahrtindustrie ist die Kultur der Produktion verloren gegangen2, kommentierte die Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“. Der frühere Roskosmos-Chef Oleg Ostapenko hatte die Havarien mit fehlenden Kontrollen bei der Produktion von Trägerraketen begründet.

Streik auf dem Weltraumbahnhof - Probleme gibt es auch beim Bau des neuen Weltraumbahnhofs Wostotschny. Dort hatten Arbeiter im April zeitweilig mit einem Hungerstreik wegen ausstehender Löhne protestiert. Wostotschny gilt als eines der wichtigsten strategischen Projekte Russlands. Die 2010 begonnenen Bauarbeiten werden allerdings von Berichten über Schlamperei und Finanzskandalen überschattet.

Roskosmos-Chef Igor Komarow hatte angekündigt, er wolle die Raumfahrt mit 36 Milliarden Euro an Staatsmitteln in den nächsten zehn Jahren für die Zukunft fit machen. Noch in diesem Jahr soll die erste Trägerrakete testweise vom Kosmodrom Wostotschny abheben. Und im nächsten Jahr will Roskosmos das international mit Spannung erwartete Nachfolgemodell für die Sojus-Raumkapseln vorstellen, mit sechs statt drei Plätzen.

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