WIRTSCHAFT


Saudi-Arabien rechnet auch für das kommende Jahr mit einem hohen Defizit

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Baku, 29. Dezember, AZERTAC 

Saudi-Arabien muss ein gewaltiges Minus im Staatshaushalt verkraften. Grund ist der niedrige Ölpreis, der dem Königreich ein Rekorddefizit von 90 Milliarden Euro beschert. Nun werden Steuern erhöht und Subventionen gekappt.

Lange Zeit war das undenkbar. Der anhaltend niedrige Ölpreis Chart zeigen auf dem Weltmarkt hat ein gewaltiges Loch in den saudi-arabischen Staatshaushalt gerissen. In diesem Jahr steigt das Haushaltsdefizit laut dem Finanzministerium in Riad auf ein Rekordhoch von 367 Milliarden Rial (umgerechnet rund 90 Milliarden Euro) - bei Einnahmen von lediglich 608 Milliarden Rial. Die Ausgaben lagen bei 975 Milliarden Rial.

Konkret fielen die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr durch den Ölpreisverfall um 42 Prozent. Die Regierung hatte für den Haushalt dieses Jahres zwar einen Rückgang eingeplant, diesen aber offenbar unterschätzt, denn die Einnahmen lagen 15 Prozent unter dem Budget.

Als Reaktion auf das riesige Haushaltsloch kündigte die Regierung an, die Ausgaben deutlich zu senken. So würden die Subventionen für Wasser, Strom und Ölprodukte angepasst, teilte das Finanzministerium mit. Zusätzlich würden Steuern beispielsweise auf Erfrischungsgetränke und Tabak angehoben.

Außerdem sollen mehr Einnahmen außerhalb des Ölsektors generiert werden. So plant die Regierung Strukturreformen, darunter die Privatisierung einer Reihe von Wirtschaftsbereichen.

Dennoch rechnet Saudi-Arabien auch für das kommende Jahr mit einem hohen Defizit. Die Finanzierungslücke soll zwar kleiner werden, aber immer noch bei 326 Milliarden Rial liegen. Dazu sollen die Ausgaben auf 840 Milliarden Rial sinken. Bei den Einnahmen erwartet die Regierung einen weiteren Rückgang auf 514 Milliarden Rial. Das wäre der niedrigste Wert seit 2009, als der Ölpreis wegen der weltweiten Finanzkrise eingebrochen war.

Seit Mitte 2014 ist der Ölpreis um mehr als 60 Prozent gefallen, derzeit liegt er unter der Marke von 40 Dollar pro Fass (159 Liter). Und die Haushaltsplanung lässt darauf schließen, dass Saudi-Arabien nicht mit einer schnellen Erholung des Ölpreises rechnet, sondern eine jahrelange Periode billigen Öls erwartet.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte bereits im Oktober ein Umsteuern in dem Land angemahnt und darauf verwiesen, dass Saudi-Arabien andernfalls innerhalb von fünf Jahren das Geld ausgehen könnte. König Salman gab sich am Montag optimistisch, dass sein Land die anstehenden tiefgreifenden Reformen schaffen wird: "Unsere Wirtschaft hat das Potenzial, diese Herausforderung zu bestehen", sagte er.

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