GESELLSCHAFT


Schichtdienst und Schlafmangel erhöhen das Risiko für schwere Erkrankungen

A+ A

Baku, 8. Januar, AZERTAG

Schichtarbeiter erscheinen zum Dienst, wenn die meisten Menschen noch oder schon schlafen. Krankenschwestern, Piloten oder Fabrikarbeiter leben gefährlich. Denn Schichtarbeit kann langfristig krank machen und sogar das Sterberisiko erhöhen.

Wie groß die Gefahr ist, bestätigt jetzt erneut eine Studie. Die Epidemiologin Eva Schernhammer von der Harvard Medical School in Boston hat dafür Daten der „Nurses' Health Study“ ausgewertet, eine Langzeitbeobachtung über die Gesundheitsrisiken von Krankenschwestern. Ihre Ergebnisse hat sie im „American Journal of Preventive Medicine“ veröffentlicht.

Die Analyse von Schernhammer beruht auf Daten von knapp 75.000 Frauen über einen Zeitraum von 22 Jahren. Das erschreckende Ergebnis: Je länger die Frauen im Schichtdienst arbeiteten, umso höher war ihr Risiko an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben.

Frauen, die länger als fünf Jahre im Schichtdienst tätig waren, hatten ein um elf Prozent erhöhtes Sterbe­risiko. Für diejenigen, die sechs bis 14 Jahre im Schichtdienst tätig waren, hatte sich die Gefahr bereits um 19 Prozent erhöht, ab 15 Jahre Schichtdienst sogar um 23 Prozent.

Doch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht das einzige Risiko, dem sich Schichtarbeiter aussetzen.

Jahrelanger Schichtdienst und Nachtarbeit können auch die Gedächtnisleistung und das Denkvermögen beeinflussen.

Jean-Claude Marquié vom Forschungsinstitut CNRS der Universität von Toulouse hat herausgefunden, dass die kognitiven Fähigkeiten von Menschen, die mehr als zehn Jahre zu unregelmäßigen Zeiten arbeiteten, deutlich schneller abnehmen als die anderer Berufstätiger. Diese Belastung würde einem Alterungsprozess von zusätzlich sechseinhalb Jahren entsprechen, schreibt der Forscher. Seine Ergebnisse hat er im November 2014 im Fachjournal „Occupational and Environmental Medicine“ veröffentlicht.

Marquiés Versuchsgruppe umfasste 3000 französische Berufstätige aus verschiedenen Branchen, von denen die Hälfte im Schichtdienst arbeitete. Die Teilnehmer absolvierten im Zeitraum 1996 bis 2006 alle fünf Jahre einige Tests, die ihr Lang- und Kurzzeitgedächtnis, ihre Reaktionsfähigkeit sowie ihre allgemeinen kognitiven Fähigkeiten überprüften. Schichtarbeiter erreichten dabei wesentlich schlechtere Werte, als Menschen, die nur tagsüber arbeiteten.

Die Ergebnisse müssten weitere Studien jedoch noch bestätigen, schreiben die Forscher.

In früheren Untersuchungen konnten Wissenschaftler bereits einen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und einem Krebsrisiko, einem hohen Cholesterinspiegel sowie der Entstehung von Diabetes belegen.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hatte bereits 2007 Schichtarbeit als „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ eingestuft.

Da Schichtarbeiter meist zu anderen Zeiten essen, leiden sie zudem oft an Stoffwechselstörungen.

Den Grund für all diese Erkrankungen sehen Wissenschaftler vor allem in dem verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus, der unsere innere Uhr stört.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind