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Schicksal der Aale wird von Strömungen bestimmt

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Baku, den 29. Dezember (AZERTAG). Schon lange rätseln Forscher, warum die Zahl des Europäischen Aals mal größer, mal kleiner ist. Die Tiere leben in Binnengewässern und reisen für Fortpflanzung und Geburt in den Atlantik. Und dann? Das Überleben junger Europäischer Aale hängt maßgeblich von den Meeresströmungen im Atlantik ab. Deren Schwankungen können erklären, warum sich die Bestände der bedrohten Tierart in den vergangenen Jahrzehnten extrem unterscheiden. Das ermittelte ein internationales Forscherteam um Miguel Baltazar-Soares vom Kieler Geomar-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in der Zeitschrift „Current Biology“. Aber auch Fischerei und Umweltzerstörung setzen den Aalen stark zu.

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist eine bedrohte Art. Sein Schutz wird auch dadurch erschwert, dass viele Details seines Lebenszyklus noch unbekannt sind. Die Fische verbringen zwar den größten Teil ihres Lebens in Binnengewässern. Fortpflanzung und die Geburt der Larven erfolgen jedoch in der Sargassosee im zentralen Atlantik – 4500 Kilometer von Europa entfernt.

Seit langem rätselten Forscher über die Schwankungen der Bestände. Biologen und Ozeanographen prüften nun den Einfluss von Meeresströmungen auf den Aal-Nachwuchs. Mit einem neuen Ozeanmodell simulierten sie die Strömungen, Winde und Wetter zwischen den Jahren 1960 und 2005. In jedem der 45 Jahre setzten sie virtuell acht Millionen treibende Körper in die Sargassosee.

Als überlebensfähig galten nur jene Larven, die binnen zwei Jahren nach Europa drifteten. Im Modell schwankte die Zahl der überlebenden Aal-Larven deutlich. „In den frühen 1980er Jahren schaffte nur ein geringer Bruchteil der Larven den Weg bis Europa“, sagt Mitautor Arne Biastoch. Grund dafür waren kleinräumige, windgetriebene Strömungen, die den Weg der Larven verlängerten oder verkürzten. „Diese Strömungen schwanken stark zwischen einzelnen Jahren und Jahrzehnten, was sich entscheidend auf die Überlebenschancen der Aal-Larven auswirkt“, erklärt Biastoch.

Genetische Analysen zeigten zudem, dass die Aale sich nicht einfach irgendwo in der Sargassosee vermehren, sondern genau in jener Region, in der schon ihre Mütter abgelaicht haben. „Das ist eine neue Erkenntnis – bisher ging man davon aus, dass die Paarung im Atlantik völlig unabhängig vom Herkunftsgebiet stattfindet“, sagt Erstautor Baltazar-Soares.

Allerdings entscheiden noch weitere Faktoren über das Schicksal der Aale: Die Computer-Simulation stimmte nur für den Zeitraum von 1960 bis 1980 mit dem tatsächlichen Auftreten junger Aale in Europa überein, nicht aber danach, wie Baltazar-Soares erläutert: „Fischereidruck, die Zerstörung von Lebensraum in europäischen Flüssen und Seen sowie Krankheiten wurden als Faktoren wichtiger.“

 

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