WELT


Schmiergeldskandal in Brasilien

Baku, 1. Juni, AZERTAC

Der brasilianische Konzern J&F zahlt eine Rekordgeldbuße, um eine Strafmilderung in einem Korruptionsverfahren zu erreichen. Darauf einigte sich das Unternehmen mit der Justiz. In den kommenden 25 Jahren muss J&F insgesamt 10,3 Milliarden Reais (umgerechnet 2,8 Milliarden Euro) abbezahlen. Damit sind die beiden weltweit höchsten Strafzahlungen wegen Korruption von brasilianische Unternehmen zu leisten. Der Baukonzern Odebrecht muss in einem Schmiergeldskandal 2,4 Milliarden Euro zahlen.

J&P ist der Mutterkonzern des weltgrößten Fleischlieferanten JBS und der populären Flip-Flop-Marke Havaianas. Gegen den Konzern und seine Tochterunternehmen laufen derzeit noch mehrere Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsdelikten.

Das Unternehmen spielt auch eine zentrale Rolle im Korruptionsskandal um Brasiliens Präsidenten Michel Temer. Einer der Konzerneigentümer, Joesley Batista, beschuldigt Temer, die Zahlung von Schweigegeld an den wegen Korruption verhafteten Ex-Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Eduardo Cunha, verlangt zu haben. Batista hatte heimlich ein Gespräch mit Temer aufgezeichnet, bei dem der Präsident ihn angeblich aufforderte, Cunha mit Zahlungen davon abzuhalten, vor der Justiz über die Verwicklungen anderer Politiker in den Korruptionsskandal "Lava Jato" auszupacken. Batista übergab den Mitschnitt der Staatsanwaltschaft.

Cunha ist wie Temer Mitglied der konservativen Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) und spielte eine Schlüsselrolle bei der Amtsenthebung von Dilma Rousseff vor knapp einem Jahr. Ihr Sturz brachte den damaligen Vizepräsidenten Temer an die Macht. Wenige Monate später wurde Cunha verhaftet, weil er mutmaßlich Schmiergelder in der Schweiz deponiert hatte.

Der Oberste Gerichtshof genehmigte am Dienstag die schriftliche Vernehmung Temers wegen der Affäre. Der Präsident bestätigte, dass er sich mit Batista getroffen habe, stritt jedoch ab, über Bestechungsgeld gesprochen zu haben. Die Aufzeichnung sei manipuliert worden.

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