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Schnelle Entleerung der Grundwasservorräte in USA schockiert Forscher

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Baku, den 25. Juli (AZERTAG). Wissenschaftler neigen schon von Berufs wegen dazu, selbst dramatische Erkenntnisse nüchtern zu beschreiben. Umso erstaunlicher ist, wie sich Experten jetzt über Satellitendaten zur Dürre in den USA äußern. „Wir hatten angenommen, dass es ziemlich übel aussehen würde“, sagte Stephanie Castle, Spezialistin für Wasserressourcen an der University of California in Irvine. „Aber das ist schockierend.“

Der Grund für den Schrecken: Satellitendaten zeigen, dass drei Viertel der riesigen Wassermenge, die das Flussbecken des Colorado in den vergangenen neun Jahren verloren hat, aus Grundwasser-Reservoiren stammten. Die Region, so scheint es, zehrt schon seit Jahren von ihren Reserven.

Die Forscher hatten Medienberichten zufolge Daten des Nasa-Satelliten „Grace“ (Gravity Recovery and Climate Experiment) genutzt, um herauszufinden, welchen Beitrag Grundwasser zur Versorgung der westlichen USA beiträgt. Grund dazu gibt es: Die Region leidet seit 14 Jahren unter einer biblischen Dürre. Sie sei „beispiellos seit dem Beginn der verlässlichen Aufzeichnungen im Jahr 1895“, heißt es im National Climate Assessment, dem offiziellen Klimabericht der US-Regierung, den Präsident Barack Obama Anfang Mai vorstellte. Die Pegel vieler Stauseen, darunter die der gigantischen Reservoire Lake Mead und Lake Powell, sind auf historische Tiefststände gesunken - leicht erkennbar an den ausgebleichten Rändern am Ufer der Seen.

Wesentlich schwieriger zu erfassen ist allerdings, wie sehr der Grundwasserpegel gesunken ist. Denn während der Wasserverlust der Stauseen zentral durch eine Bundesbehörde dokumentiert wird, sind für die Entnahme von Grundwasser die einzelnen Bundesstaaten verantwortlich - und sie ist oft nicht besonders gut dokumentiert. „Satelliten bieten die einzige Möglichkeit, ein so großes Gebiet zu erfassen“, sagt Nasa-Wissenschaftler Jay Famiglietti. Der „Grace“-Satellit funktioniert nach Angaben wie eine riesige Waage: Er misst monatlich die Veränderungen der unterirdischen Wassermenge anhand der Schwankungen der lokalen Erdanziehungskraft.

Wie Castle und ihre Kollegen nun im Fachblatt „Geophysical Research Letters“ schreiben, hat das Colorado-Flussbecken zwischen Dezember 2004 und November 2013 rund 65 Kubikkilometer Wasser verloren. Das ist doppelt so viel wie der gesamte Inhalt des Lake Mead, des größten Stausees der USA. Er wird, wie auch der rund 270 Kilometer nordöstlich gelegene Lake Powell, vom Colorado River gespeist. Das Problem: „Wir wissen nicht genau, wie viel Grundwasser noch übrig ist“, sagt Castle. „Deshalb kann auch niemand sagen, wann es verschwunden ist.“

Die schnelle Entleerung der Grundwasservorräte wird laut Famiglietti die Versorgungsprobleme im Süden und Westen der USA verschärfen, da der Colorado noch weniger Wasser führe als ohnehin schon. Hinzu kämen eine zurückgehende Schneebedeckung der Hochlagen im Winter und ein starkes Bevölkerungswachstum. Das, meint Famiglietti, werde wahrscheinlich langfristig die geplanten Wasserlieferungen aus dem Coloradobecken gefährden. Von ihnen sind rund 40 Millionen Menschen und 16.000 Quadratkilometer Ackerland in sieben US-Bundesstaaten und Teilen Mexikos abhängig.

Hinzu kommt, dass die aktuelle Dürre nur der Anfang noch härterer Zeiten im Westen der USA sein könnte. Baumring-Analysen haben ergeben, dass das 20. Jahrhundert dort die niederschlagreichste Periode der vergangenen 1200 Jahre war. Zuvor war es in der Region deutlich trockener als heute. Eine Studie etwa hat gezeigt, dass zwischen den Jahren 850 und 1300 gleich zwei Megadürren herrschten - jede für sich fast 200 Jahre lang. Die größte Befürchtung der Experten ist, das Klima könne nun wieder zu derartigen Verhältnissen zurückkehren. Dann wären wohl auch die harten Sparmaßnahmen, die in Städten wie Las Vegas in zwischen gelten, nicht mehr ausreichend.

Entsprechend besorgt äußerte Castle sich über künftige Engpässe. Anders als oberirdische Reservoire könnten Grundwasservorräte so stark ausgebeutet werden, dass sie sich nicht mehr auffüllten. Doch nur sie könnten Verbraucher, Landwirte und Ökosysteme bei Dürren schützen.

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