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Schwerer Schlag für die russische Forschung

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Baku, 10. Juli, AZERTAC

Die angesehene Dynasty Foundation muss schließen. Sie wurde von der Regierung in Moskau auf eine schwarze Liste gesetzt.

Die Dynasty Foundation wurde häufig gelobt, etwa für die Unterstützung junger russischer Forscher. Die Stiftung war ein bedeutender Förderer der Wissenschaft in Russland. Nun schließt die Dynasty Foundation, wie sie auf ihrer Homepage mitteilt.

Der Gönner der Stiftung, der Unternehmer Dmitry Simin, habe die Finanzierung gestoppt, berichtet das Magazin „Nature“. Ursache sei die Einstufung der Stiftung als „ausländischer Agent“ durch das russische Justizministerium.

Ein neues Gesetz erlaubt es der Regierung in solchen Fällen, Organisationen mit strengen Auflagen zu belegen, sie auf eine schwarze Liste zu setzen. Das Gesetz droht Bürgern, die sich mit solchen „unerwünschten Organisationen“ einlassen, mit hohen Geldstrafen oder sogar bis zu sechs Jahren Gefängnis. Russische Bürger und andere Staaten hatten häufig gegen das Gesetz protestiert.

Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch (HRW) und Amnesty International hatten das Gesetz als neuen schweren Angriff auf die Rede- und Meinungsfreiheit in Russland kritisiert. Bereits 2012 hatte die Duma ein umstrittenes Gesetz verabschiedet, nach dem von außerhalb Russlands finanzierte Nichtregierungsorganisationen zu „ausländischen Agenten“ erklärt werden können.

„Noch nie habe ich so oft Danke gesagt“ - Die Dynasty Foundation war im Mai auf die Liste der „ausländischen Agenten“ gesetzt worden, weil sie über ausländische Bankkonten finanziert wird. Aus Protest verließ der 82-jährige Simin Russland, er fordert eine Entschuldigung des Kreml.

Dmitri Simin hat den Telekommunikationskonzern Vimpelcom gegründet. Zu Vimpelcom gehört auch Beeline, einer der größten Mobilfunkanbieter Russlands. Dynasty fördert als private, gemeinnützige Stiftung die Wissenschaft und die wissenschaftliche Bildung in Russland. Sie vergibt unter anderem Stipendien für Physiker, Mathematiker und Chemiker und unterstützt auch Lehrer.

Die Entscheidung des Justizministeriums löste Entrüstung unter Wissenschaftlern aus. Auf ihrer Webseite hat die Stiftung Dynasty Dutzende Solidaritätsschreiben veröffentlicht. Der nun ausgewanderte Gründer Simin bedankte sich: „Noch nie in meinem Leben habe ich so viel Wertschätzung erhalten. Noch nie habe ich so oft Danke gesagt wie jetzt.“

In Moskau hatten im Juni Tausende Wissenschaftler gegen Gängelung der Wissenschaft demonstriert, sie sehen sich vom Kreml behindert. Unter die Forscher und Intellektuellen mischte sich auch Oppositionsführer Alexej Nawalny.

„Die Wissenschaft stirbt langsam aus“, sagte der Astrophysiker Boris Schtern auf der Demonstration. „Der Vormarsch der Ignoranz wird von den Medien und der Regierung befördert.“ Die Forscher fürchten, sie könnten als nächste ins Visier von Präsident Wladimir Putin geraten, nachdem unabhängige Medien, Menschenrechtsaktivisten und Opposition schon stark in die Defensive geraten sind.

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