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Schwindende Vielfalt an Blütenpflanzen ist einer der Hauptgründe für den Bienenschwund

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Baku, 25. November, AZERTAG

Die schwindende Vielfalt an Blütenpflanzen ist einer der Hauptgründe für den Bienenschwund – zumindest in den Niederlanden.

Eine Studie zeigt, dass jene Arten, deren bevorzugte Pflanzen verschwanden, besonders stark abnehmen. Betroffen sind darunter vor allem jene Spezies, die spät im Jahr ausschwärmen und die besonders groß sind. Die höheren Temperaturen durch den Klimawandel spielen dagegen keine Rolle, schreiben die Forscher um Jeroen Scheper von der Universität Wageningen in den „Proceedings“ der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften („PNAS“).

Mit Sorge beobachten Experten seit Jahren weltweit einen deutlichen Rückgang der Bienenpopulationen. Als einen wesentlichen Faktor vermuten Forscher die Intensivierung der Landwirtschaft seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Andere Experten vermuten, dass der Einsatz von Pestiziden und das gehäufte Auftreten von Krankheiten und Parasiten wie der Varroamilbe ebenfalls zum Bienensterben beitragen.

Allerdings betrifft der Schwund nicht alle Arten dieser Insekten. In den Niederlanden gelten mehr als die Hälfte der Bienenspezies als gefährdet.

Um die Ursachen zu ermitteln, untersuchten die Forscher die Entwicklung verschiedener Bienenarten während des 20. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum schrumpften in dem Land die Flächen der von Bienen bevorzugten naturnahen Habitate um etwa 80 Prozent.

Um die ursprünglichen Pflanzenvorlieben der einzelnen Arten zu ermitteln, analysierten die Forscher die Körper von Echten Bienen (Apidae), die vor dem Jahr 1950 gesammelt wurden, auf Pollenreste.

Insgesamt untersuchten sie 57 Bienenarten aus zehn Gattungen und vier Unterfamilien. Die Resultate glichen sie dann ab mit einer landesweiten Datenbank dazu, wie sich die Bestände der Bienen und Blütenpflanzen im 20. Jahrhundert entwickelten.

Resultat: Das Schicksal einer Bienenart hing vor allem davon ab, ob die Flächen ihrer bevorzugten Blütenpflanzen schrumpften oder nicht. Die Fortpflanzungsfähigkeit und der Nachwuchs litten darunter, wenn die Insekten auf weniger erwünschte Pflanzen ausweichen müssten, vermuten die Wissenschaftler.

Besonders empfindlich reagierten jene Spezies, die spät im Jahr unterwegs sind – sie können offenbar auf weniger Alternativen ausweichen. „In der späten Jahreszeit ist das Vorhandensein von Blütenressourcen stark reduziert, weil Sträucher und Bäume nicht mehr blühen, Grasland abgeweidet oder für Silage geschnitten ist und die Feldränder abgemäht sind“, erläutern die Forscher.

Auch besonders große Bienenarten – darunter Hummeln – reagierten besonders sensibel. Dies erklären die Forscher damit, dass die Insekten größere Mengen Pollen benötigen. Diese seien in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten bei sinkender Pflanzenvielfalt tendenziell schwerer zu finden. Dass die Tagestemperaturen im 20. Jahrhundert anstiegen, spielte dagegen der Studie zufolge keine Rolle.

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