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Seit Jahren töten Naturkatastrophen zahlreiche Menschen

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Baku, 20. April, AZERTAC

Erdbeben, Überflutungen, Vulkanausbrüche: Naturkatastrophen töten Menschen, zerstören die Infrastruktur, vernichten Besitz. Jetzt hat ein Forscher für die vergangenen Jahrzehnte Bilanz gezogen.

Seit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts haben Naturkatastrophen mehr als acht Millionen Menschen getötet und Schäden von mindestens sieben Billionen Dollar (6,2 Billionen Euro) angerichtet. Dies geht aus Berechnungen des Geophysikers James Daniell vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hervor, die das Institut am Montag veröffentlichte. Der Experte erfasste in seiner Datenbank mehr als 35.000 Katastrophen zwischen 1900 und 2015.

Gemessen an der Zahl der Opfer war das verheerendste Ereignis eine Flutkatastrophe 1931 in China mit 2,5 Millionen Toten, das schwerste Unglück der neueren Zeit war der Tsunami im Indischen Ozean 2004 mit 230.000 Toten.

Doch das am Schaden gemessen schwerste Ereignis war Daniells Datenbank Catdat zufolge die Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan 2011. Sie vernichtete 335 Milliarden Dollar (296 Milliarden Euro) an Werten.

Fluten am gefährlichsten - Über den gesamten Zeitraum seit 1900 starb die Hälfte der Opfer durch Flutkatastrophen. Dank verbesserter Vorsorgemaßnahmen und Risikoanalysen nahm der Anteil in der jüngeren Vergangenheit aber ab. Seit 1960 verursachten Erdbeben die meisten Toten, berichtet Daniell auf einem Treffen der European Geosciences Union in Wien. Insgesamt töteten Beben von 1900 bis 2015 weltweit 2,32 Millionen Menschen.

Ein Drittel des Gesamtschadens von 1900 bis 2015 ging auf das Konto von Überflutungen, etwa ein Viertel wurde durch Erdbeben verursacht und knapp ein Fünftel durch Stürme. Vulkanausbrüche waren dagegen nur für ein Prozent der gesamten Schäden verantwortlich.

Menschheit besser vorbereitet - "Die absolute Zahl der jährlichen Toten durch Naturkatastrophen ist über die Jahre hinweg leicht gesunken - in Relation zum Bevölkerungswachstum sogar deutlich", sagte Daniell. Grund sei eine bessere Vorsorge der Menschen, etwa durch erdbebensichere Gebäude oder Deiche.

Seine Datenbank füttert Daniell mit Informationen aus offiziellen Berichten, Archiven oder Büchern. Die Schadenshöhe ermittelte er auch durch Umrechnungen auf das heutige Preisniveau. Daniell betonte jedoch, dass Schäden oftmals nur schwer zu schätzen seien. Beachtet wurden außerdem nur akute Folgen. Längerfristige Konsequenzen von Naturkatastrophen - etwa durch eine anschließende Hungersnot - blieben außen vor.

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