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Stimmt es, dass das Schmelzen der Antarktis nicht mehr aufzuhalten ist?

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Baku, 15. Januar, AZERTAG

Stimmt es, dass das Schmelzen der Antarktis nicht mehr aufzuhalten ist, weil beim Abschmelzen der Gletscher ein Point of no Return überschritten wurde? Wenn sich die Frage auf die ganze Antarktis bezieht, ist die Antwort nein. Die Antarktis wächst besonders im größeren Ostteil sogar noch. Aber es gibt eine Gruppe von Gletschern in der Westantarktis, deren unwiderrufliches Ende die Eisforscher im vergangenen Jahr in wissenschaftlichen Aufsätzen ausgerufen haben. Der Meeresspiegel dürfte allein dadurch um 1,20 Meter ansteigen; der Prozess könnte aber einige Jahrhunderte dauern, wie amerikanische Forscher in zwei unabhängigen Studien aufzeigen. „Der Eispanzer der Westantarktis hat mit einem unumkehrbaren Rückzug begonnen“, sagte Eric Rignot von der University of California in Irvine. Nichts könne die Gletscher noch stoppen. „Wir haben den letzten Umkehrpunkt hinter uns gelassen.“

Für ihre Studie haben Rignot und sein Team, darunter Forscher der Nasa, viele Satellitenbeobachtungen kombiniert. Die Satelliten haben immer wieder die Gletscher an der Amundsen-See im Westen vermessen, darunter den Thwaites- und den Pine-Island-Gletscher. Sie gelten seit Jahrzehnten als instabil, weil sie in tiefen Trögen statt auf trockenem Land ruhen, und sich weit in den Ozean hinausstrecken. Ihren vordersten Haltepunkt haben sie auf dem Meeresgrund. Dort leckt warmes Wasser an der Basis, wie deutsche und britische Forscher unter anderem mit einem autonomen U-Boot gezeigt haben. Das Wasser wird vermutlich von Winden aus der Tiefe emporgezogen, die sich im Rahmen des Klimawandels verstärkt haben.

Die Grenzlinie, wo sich der Pine-Island-Gletscher auf den Meeresboden stützt, hat sich zwischen 1992 und 2011 um 31 Kilometer zurückgezogen. Vor dieser Linie schwimmt das Eis auf dem Wasser, aber dieses Schelf wird dünner: Im Satelliten lässt sich per Radar verfolgen, wie es sich im Rhythmus der Gezeiten hebt und senkt. Je weiter die Aufsetzlinie sich zurückzieht, desto weiter kann das warme Wasser das Eis der Basis abschmelzen - ein sich selbst verstärkender Effekt.

Wie es weitergehen könnte, haben andere Wissenschaftler per Computer betrachtet. Ian Joughin und seine Kollegen von der University of Washington haben den Thwaites-Gletscher im Rechner simuliert und konnten so zunächst die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre nachstellen. Dieser Blick in die Vergangenheit ist ein wichtiger Test, ob das Verfahren die richtigen Ergebnisse liefert. Für die Zukunft sehen auch diese Forscher einen ungebremsten Rückzug des Eises voraus. „Wir können keinen stabilisierenden Mechanismus erkennen“, sagte Joughin im vergangenen Jahr, „alle Rückkopplungen führen dazu, dass der Gletscherrückgang sich immer weiter beschleunigt.“ Allerdings dürfte der Prozess im 21. Jahrhundert noch langsam bleiben. Es könnte 200 bis 900 Jahre dauern, bis der Rückgang rapide wird.

Grundsätzlich könnten alle Gletscher der Antarktis komplett abschmelzen, wenn sie wärmer werden und vor allem das Wasser sich dort deutlich aufheizt, wo sie das Meer berühren. Gletscher sind ja Flüsse aus Eis, die sehr langsam von der Höhe des Kontinents herunterfließen. Wenn der Widerstand an ihrem Ende sinkt, etwa aufgrund zu warmer Wassertemperaturen, steigt die Fließgeschwindigkeit an. Ab einer gewissen Geschwindigkeit erzeugen die Niederschläge oben nicht mehr genug Eis, um das abfließende zu ersetzen - der Gletscher verliert Masse.

Potsdamer Forscher hatten vor einer Weile ein ähnliches Szenario sogar für die noch wesentlich stabilere Ostantarktis entworfen. Damit aber dort am Wilkes-Basin ein Korken schmilzt, wie sie das nennen, und Gletscher dahinter ins ungebremste Rutschen kommen, müsste das Wasser um zwei Grad wärmer werden. Damit ist nicht so bald zu rechnen.

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