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Südkorea: Zwei Tote bei Protesten

Baku, 10. März, AZERTAC 

Die Ära Park ist vorbei: Das Verfassungsgericht in Seoul hat einstimmig für eine Amtsenthebung der südkoreanischen Präsidentin gestimmt. Vor dem Gebäude kam es daraufhin zu Tumulten, Proteste eskalierten. Dabei sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen, berichtet die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Ein 72-jähriger Mann sei in der Nähe des Verfassungsgerichts am Kopf blutend gefunden worden. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei er gestorben. Dem Bericht zufolge war er wahrscheinlich aus einem Polizeibus gefallen. Mit den Fahrzeugen hatten die Sicherheitskräfte versucht, das Gerichtsgebäude gegen die Protestierenden abzuschirmen. Zudem soll ein 60 Jahre alter Mann in der Nähe des Gerichts gestorben sein. Details zu dem Fall gab es zunächst nicht.

Hunderte von Anhängern - die meisten von ihnen ältere Menschen - hatten bereits am Donnerstag bei Kundgebungen vor dem Gericht gefordert, dass Park wieder ihre Amtsgeschäfte übernehmen solle. Der Skandal wühlt das Land seit Monaten auf. Im Dezember hatte das Parlament die Amtsenthebung Parks eingeleitet. Ihre Befugnisse wurden dadurch zunächst ausgesetzt. Die endgültige Entscheidung hatte das Verfassungsgericht am Freitag zu fällen.

Die Verfassungsrichter sahen es als erwiesen an, dass Park Geun Hye es zugelassen hatte, dass sich ihre Freundin Choi Soon Sil in die Regierungsgeschäfte einmischte, obwohl Choi nie ein öffentliches Amt inne hatte. Außerdem wird Choi vorgeworfen, dank ihrer Beziehung zur Präsidentin zahlreiche Unternehmen genötigt zu haben, ihre Stiftungen und Organisatoren zu sponsern und sich damit persönlich bereichert zu haben. Die Richter hofften, dass das "politische Chaos" durch ihr Urteil ein Ende nehme, sagte die geschäftsführende Vorsitzende Richterin Lee Jung Mi.

Park droht nun ein Strafverfahren. Solange sie noch Präsidentin war, genoss sie Immunität. Sie ist das erste Staatsoberhaupt des Landes, das per Gerichtsbeschluss abgesetzt wurde. Die ursprünglich für Dezember geplante Wahl muss nun spätestens bis zum 9. Mai vorgezogen werden. Parks fünfjährige Amtszeit wäre regulär im Februar 2018 zu Ende gegangen.

In den Umfragen zu den Kandidaten für die nächste Präsidentenwahl liegt derzeit der linksliberale Oppositionspolitiker Moon Jae In vorn, der 2012 die Wahl gegen Park verloren hatte. Nach mehr als neun Jahren konservativer Regierung deutet sich damit ein Machtwechsel in der viertgrößten Volkswirtschaft Asiens an.

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