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Tausende trauern in Brasilien um verunglückte Fußballer

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Baku, 30. November, AZERTAC

Fast die gesamte Profimannschaft des brasilianischen Fußball-Erstligisten Chapecoense kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Fans sind in Schockstarre und trauern zu Tausenden.

Dicht an dicht standen sie in der Kathedrale von Chapecó, auch das Stadion der Stadt im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina war voll besetzt. Nach dem Flugzeugabsturz in Kolumbien trauerten Tausende Fans um die 19 Fußballer ihres Clubs Chapecoense, die das Unglück nicht überlebt haben.

"Fast alle von ihnen auf so tragische Weise zu verlieren, hat unsere Stadt und jeden von uns total zerstört", sagte die Brasilianerin Carla Vilembrini, die zur Kathedrale Santo Antonio geeilt war, um ihr Mitgefühl zu zeigen - wie viele andere im grün-weißen Fan-Outfit.

Im Landeanflug auf die kolumbianische Stadt Medellín war am Montag ein Charterflugzeug der bolivianischen Gesellschaft Lamia abgestürzt. An Bord der Passagiermaschine war die Fußballmannschaft des AF Chapecoense, die auf dem Weg zum Finale des Südamerika-Cups war.

71 Menschen starben bei dem Absturz in bergigem Gelände, sechs Menschen konnten gerettet werden. Unter den Toten sind 19 Fußballer und 20 Journalisten, die über das Endspiel im Südamerika-Cup berichten wollten, darunter auch der frühere brasilianische Nationalspieler Mário Sérgio Pontes da Paiva. Er reiste als Sportjournalist von Fox Sports mit dem Team nach Medellín.

Verstört und schweigend zogen die Bewohner der 200.000-Einwohner-Stadt durch die Straßen. "Die Stadt ist sehr ruhig", sagte der Unternehmer Cecilio Hans. "Die Leute werden erst anfangen, es zu glauben, wenn die Leichen gebracht werden." Die Toten sollen am Donnerstag nach Brasilien überführt werden, wo in Chapecó in der Arena Condá eine zentrale Trauerfeier geplant ist.

Vor Ort herrscht noch immer Ungläubigkeit: "Ich kann es immer noch nicht fassen", sagte Alan Heinz, der ins Fußballstadion gekommen war, um zu trauern. Auf dem Spielfeld wurde ein Gottesdienst abgehalten und für die Toten gebetet.

Er habe sich so sehr auf das Final-Spiel der Mannschaft im Südamerika-Cup gefreut, den besten Tag seines Lebens. "Jetzt weiß ich gar nicht, wie mein Leben nach dieser Sache aussehen wird."

Der Finaleinzug war der bislang größte Erfolg des Vereins. In Brasilien wurde von Präsident Michel Temer eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Aus aller Welt erreichen den brasilianischen Spitzenclub Chapecoense Trauerbekundungen. "Dies ist ein sehr, sehr trauriger Tag für den Fußball", sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino. "In dieser schweren Zeit sind unsere Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Freunden."

Drei der geretteten Fußballer kämpfen nach dem Unglück weiter um ihr Überleben. Nach der Amputation des rechten Beines droht Reservetorhüter Jackson Follmann auch der Verlust des linken Beines. Teamkollege Neto erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma sowie mehrere offene Brüche. Alan Ruschel wurde an der Wirbelsäule operiert.

Der gerettete Journalist Rafael Henzel steht nach mehreren Rippenbrüchen mit durchbohrter Lunge unter Beobachtung. Zwei Crew-Mitglieder erlitten leichte Verletzungen.

Vier gebuchte Passagiere, darunter der Bürgermeister der Stadt Chapecó, hatten die Reise nicht wie geplant angetreten. Die Maschine war vor drei Wochen auch von Argentiniens Nationalmannschaft mit Superstar Lionel Messi nach einem WM-Qualifikationsspiel in Brasilien (0:3) genutzt worden.

Über die Unfallursachen gibt es bisher nur Spekulationen. Ein Grund könnte laut Angaben der Luftfahrtbehörde Treibstoffmangel gewesen sein. Kurz vor dem Crash soll der Pilot der BAe 146 noch schlechte Wetterbedingungen und Probleme mit der Elektronik gemeldet haben. Inzwischen konnten die beiden Blackboxes sichergestellt werden. Die Analyse der Daten könnte Aufschluss geben über den Unglückshergang.

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