WIRTSCHAFT


Tiefe Wirtschaftskrise: Venezuela steht am Rande des Ruins

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Baku, 22. April, AZERTAC

Vier Stunden am Tag ohne Strom, Bier gibt es bald gar nicht mehr. Die tiefe Wirtschaftskrise zwingt Venezuela zu immer radikaleren Sparmaßnahmen. Das sozialistisch regierte Land steht vor dem Ruin.

Wegen des akuten Gerstenmangels sieht sich einer der größten Bierbrauer Venezuelas zum Produktionsstopp gezwungen. Der Polar-Konzern, das größte Privatunternehmen des sozialistischen Landes, begründete das damit, dass die Gerstenvorräte bis zum 29. April erschöpft seien.

Venezuela steht am Rande des Ruins und muss schwer darum kämpfen, milliardenschwere Auslandsanleihen zu bedienen. Weil die Regierung den Handel mit ausländischen Währungen einschränkt, sehe sich Polar außerstande, weiter Gerstenmalz aus dem Ausland einzuführen - in Venezuela wächst keine Gerste. "Diese Situation betrifft 10.000 Angestellte direkt", teilte Polar mit. Zudem seien mehr als 300.000 Menschen indirekt betroffen, etwa Händler und Lastwagenfahrer.

Es gibt die weltweit höchste Inflation sowie Mangelwirtschaft. Das Land ist stark von Einnahmen aus dem Ölexport abhängig und leidet unter dem niedrigen Preis.

Seltener arbeiten, seltener föhnen - Dazu kommt ein akuter Strommangel, der die Regierung zu immer verzweifelteren Maßnahmen zwingt: Ursprünglich wollte die Regierung vier Freitage freigeben, tatsächlich waren diese Woche aber nur zwei Tage vollständige Arbeitstage. Nun kündigte Energieminister Luis Motta an, dass jeder Stromverbraucher ab kommenden Montag vier Stunden am Tag ohne Strom auskommen muss - die Sparmaßnahme gilt vorerst für 40 Tage.

Außerdem soll die Uhrzeit vom 1. Mai an um eine halbe Stunde vorgestellt werden, Präsident Nicolas Maduro hat Frauen dazu aufgefordert, sich seltener die Haare zu föhnen.

Grund für die Knappheit ist Regierungsangaben zufolge ein akuter Wassermangel im Guri-Stausee, das dortige Kraftwerk produziert über 60 Prozent der Energie des Landes mit den größten Ölreserven der Welt. In dem See ist der Pegel auf knapp 243 Meter gefallen, ab 240 Metern ist keine Stromproduktion mehr möglich. Ohne Regen droht ein Produktionsstopp.

Präsident Nicolás Maduro macht das Klimaphänomen El Niño für einen starken Temperaturanstieg verantwortlich, der den Wasserpegel habe stark sinken lassen. Die Opposition macht hingegen die marode Infrastruktur und fehlenden Investitionen in neue Kraftwerke als Hauptgrund für die Energiekrise aus.

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