GESELLSCHAFT


Tödlichen Angriffen durch Antibiotika

Baku, 14. Januar, AZERTAC

Eine Patientin in den USA ist an einer Infektion gestorben, nachdem alle 26 dort zugelassenen Antibiotika keine Wirkung gegen die Erreger gezeigt hatten. Bei der Rentnerin sei ein multiresistenter Klebsiella-Pneumoniae-Keim gefunden worden, der nicht wirksam mit Antibiotika behandelt werden könne, teilte das US-Seuchenabwehrzentrum CDC am Freitag mit.

Die Frau gehört zu einer wachsenden Gruppe von Patienten, die mit resistenten Erregern infiziert sind. Die Keime haben so erfolgreiche Strategien entwickelt, dass sie den tödlichen Angriffen durch Antibiotika entkommen können. Ärzte müssen dann andere Arzneien einsetzen, in seltenen Fällen haben sie gar kein wirksames Medikament mehr zur Hand.

Das Europäische Präventionszentrum ECDC warnte kürzlich davor, dass gefährliche Resistenzen weiterhin zunehmen. Dabei betonte es explizit die Gefahr durch den Atemwegskeim Klebsiella pneumoniae. Die Zahl der Infizierten, bei denen auch Reserve-Antibiotika wie Carbapeneme nicht mehr wirkten, sei innerhalb weniger Jahre von 6,2 auf 8,1 Prozent gestiegen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte den Klebsiella-Pneumoniae-Keim bereits als "dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen" eingestuft.

Gefahr lauert im Krankenhaus - Manche Experten befürchten, die Welt bewege sich derzeit in ein post-antibiotisches Zeitalter, andere glauben, wir sind bereits mittendrin. Dass die Medikamente zum Teil auch in der Tiermast eingesetzt werden, verschärft das Problem.

Multiresistente Erreger sind vor allem im Krankenhausbereich ein weltweit wachsendes Problem. Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich 400.000 bis 600.000 Patienten an Krankenhausinfektionen. 10.000 bis 15.000 Menschen sterben jedes Jahr daran. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) geht sogar von fast einer Million Infektionen und mindestens 30.000 Todesfällen aus.

Keine Heilung nach Oberschenkelhalsbruch - Die Rentnerin aus den USA sei letztlich an einer Blutvergiftung gestorben, teilte das CDC mit. Sie habe sich in den vergangenen Jahren oft in Indien aufgehalten und sei dort wegen eines Oberschenkelbruchs behandelt worden. Sie kam dann in ein Krankenhaus im US-Bundesstaat Nevada.

Insgesamt hätten die Ärzte 26 verschiedene, in den USA zugelassene Antibiotika getestet. Die Frau starb bereits im vergangenen September auf der Isolierstation. In späteren Analysen zeigte sich, dass die Klebsiellen gegen ein bestimmtes Antibiotikum nur wenig resistent waren. Diese Arznei ist in den USA allerdings nicht zugelassen.

Wie viele Menschen tatsächlich weltweit an resistenten Erregern sterben, ist ungewiss. Zwar gibt es Schätzungen, dass ihre Zahl noch in diesem Jahrhundert auf über zehn Millionen steigen könnte. Viele Wissenschaftler halten die Zahlen aber für nicht haltbar. In die Hochrechnungen fließen auch jene Infizierten hinein, die an HIV (durch Viren ausgelöst) oder Malaria (von Parasiten verursacht) erkrankt sind. Gegen diese sind Antibiotika ohnehin unwirksam, an dieser Stelle ist es daher wichtig, klarzustellen, ob man allgemein von resistenten Keimen oder von Antibiotika-resistenten Bakterien spricht.

Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen haben Wissenschaftler bereits wirksame Strategien entwickelt. Dazu zählen:

- strenge Hygienevorschriften in den Krankenhäusern, um bereits resistente Erreger nicht von einem Patienten zum nächsten zu tragen.

- gezielter Einsatz von Antibiotika. Viel zu häufig verordnen Ärzte die Medikamente, obwohl die Patienten sie gar nicht brauchen. Viele Erkältungskrankheiten etwa werden von Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika unwirksam sind.

- richtige Einnahme von Antibiotika. Hier sind die Patienten in der Verantwortung: Wer das verordnete Antibiotikum zu kurz oder falsch einnimmt, verbessert für Bakterien die Chance, sich an die Wirkstoffe so anzupassen, dass diese die Erreger nicht mehr abtöten können.

Bei einem gefürchteten Erreger scheint das bereits geholfen zu haben: Resistente Bakterien vom Typ Staphylococcus aureus (MRSA) wurden 2015 europaweit deutlich seltener festgestellt als noch 2012.

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