WELT


Toshiba taumelt tiefer in die Krise

Baku, 14. Februar, AZERTAC

Der japanische Industriekonzern Toshiba taumelt immer tiefer in die Krise, berichtet AZERTAC unter Berufung auf ausländische Medien. Das Management berichtet von neuen Problemen in der angeschlagenen US-Atomsparte und sagte für das ablaufende Geschäftsjahr einen weiteren Milliardenverlust voraus. Im Ringen um frisches Geld gerät das Traditionsunternehmen verstärkt unter Druck. Es schließt inzwischen auch einen Komplettverkauf des lukrativen Kerngeschäfts mit Chips nicht aus.

Zugleich zog die Konzernführung personelle Konsequenzen aus dem Debakel bei der US-Atomtochter Westinghouse: Der Verwaltungsratsvorsitzende Shigenori Shiga, der früher Westinghouse leitete, muss seinen Hut nehmen. An der Börse wurden Fragen nach der Überlebensfähigkeit des Traditionsunternehmens laut.

Die Firmengruppe beschäftigt fast 190.000 Menschen und produziert neben Computerchips und Atomkraftwerken auch Laptops, Industrieanlagen, Aufzüge und Waschmaschinen. Hintergrund der jetzigen Misere sind explodierende Kosten bei dem jüngst in den USA zugekauften Akw-Hersteller. Sie führten dazu, dass auf die komplette Westinghouse-Sparte nun umgerechnet 5,9 Milliarden Euro (712,5 Milliarden Yen) abgeschrieben werden.

Die Wertminderung zehrt das Eigenkapital des Konzerns auf. Er erwartet nun für das Ende März ablaufende Geschäftsjahr 2016/17 einen Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor hatte das Minus sogar bei 3,8 Milliarden Euro gelegen. Damals schlug ein Bilanzskandal zu Buche.

Mittlerweile herrscht wieder höchster Alarm: Die Aufräumarbeiten sind längst nicht zu Ende, wie das Management erkennen ließ. Eine interne Prüfung förderte weitere Schwierigkeiten bei Westinghouse zutage, die eine verlängerte Untersuchung erfordern. Deswegen konnte Toshiba statt des anstehenden offiziellen Zwischenberichts auch nur untestierte Zahlen präsentieren. Diese könnten noch deutlich korrigiert werden, erklärte die Firmenleitung.

Überlebensfähigkeit beeinträchtigt - Am Aktienmarkt in Tokio verloren Toshiba-Papiere weitere acht Prozent. Das Unternehmen ist damit nur noch acht Milliarden Euro wert. Mitte Dezember waren es noch mehr als doppelt so viel - vor zehn Jahren rund 40 Milliarden Euro.

"Die Leute beginnen zu begreifen, dass die Probleme mit den internen Kontrollen, mit der Bilanzierung und der Unternehmensführung sehr real sind", sagte Analyst Zuhair Khan von der Investmentbank Jefferies. "Das alles beeinträchtigt die Überlebensfähigkeit des Unternehmens."

Entlastung sollen Notverkäufe bringen. Dazu geht Toshiba ans Filetstück - das Halbleitergeschäft. Sollte bislang lediglich ein Anteil von knapp 20 Prozent versilbert werden, bezeichnete Toshiba-Chef Satoshi Tsunakawa nun auch eine vollständige Veräußerung als Option.

Der Konzern plant ferner einen Rückzug aus dem Akw-Bau im Ausland. Tsunakawa sagte, möglicherweise werde die 87-prozentige Beteiligung an Westinghouse auf unter 50 Prozent reduziert. Die Kontrollen waren nach Konzernangaben "unzureichend". Außerdem werde geprüft, ob Westinghouse-Spitzenmanager "unangemessenen Druck" ausgeübt hätten in den Verhandlungen über den Kauf der US-Firma, die Toshiba die immensen Kosten einbrockte.

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