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Tronchetti Provera: Pirelli habe keine Angst vor Konkurrenz

Baku, 30. Mai, AZERTAC

Seit zehn Jahren hat die Formel 1 mittlerweile keinen Reifenkrieg mehr. 2006 war die letzte Saison, in der sich Bridgestone und Michelin damals gegenseitig überbieten wollten. Seit dem Einstieg von Pirelli 2011 waren die Italiener immer als Einheitshersteller unterwegs, doch laut Firmenchef Marco Tronchetti Provera kann man sich sogar vorstellen, einen zweiten Hersteller in der Formel 1 zu haben.

"Wir fahren überall auf der Welt - auch gegen andere. Wir mögen den Wettbewerb", betont der Italiener im Rahmen des Großen Preises von Monaco. Pirelli habe keine Angst vor Konkurrenz und sieht sich für einen Kampf gerüstet: "Wenn wir gegen andere fahren, gewinnen wir. Wir haben in den vergangenen Jahren viel Erfahrung sammeln können, von daher sind wir bereit für den Wettbewerb", so Tronchetti Provera.

Pirelli ist noch bis Ende 2019 als Alleinausrüster unter Vertrag, allerdings gibt es derzeit seitens der Formel 1 keine Bestrebungen, einen zweiten Hersteller zuzulassen. Das hat vor allem Kostengründe, weil ein Entwicklungskampf viele finanzielle Ressourcen fressen würde - damit würden die Pneus für die Rennställe teurer werden.

"Die Teams wollen es so", sagt Tronchetti Provera über die aktuelle Situation. "Ich habe in den vergangenen Jahren und Monaten auch nicht den Willen vernommen, das zu ändern."

Derzeit hat Pirelli ohnehin genug damit zu tun, die Reifen auf die neue Formel-1-Generation zuzuschneiden. Durch die neuen Fahrzeuge musste man neue Mischungen entwickeln, die jedoch im Hinblick auf 2018 noch einmal verändert werden. Vor allem der Härtegrad stand zuletzt in der Kritik, weil Medium und Hard laut den Fahrern zu hart und damit unbrauchbar waren. Im kommenden Jahr sollen alle Mischungen einen Grad weicher werden.

Pirelli wegen Eigentürmerwechsel unter Druck - Bei Pirelli weiß man, dass man ein gutes Produkt hinlegen muss, will man über 2019 weiter in der Königsklasse vertreten sein. Denn der Vertrag kam noch unter dem alten Management von Bernie Ecclestone zustande, und der neue Eigentümer Liberty Media stellt alles auf den Prüfstein, um die Show zu verbessern.

"Wir müssen unser Bestes geben, um die neuen Eigentümer zufriedenzustellen", nickt der Pirelli-Chef. "Ihre Richtung ist, dass die Show auf dem besten Niveau sein muss. Sie wollen, dass die Formel 1 die attraktivste und faszinierendste Rennserie der Welt ist."

Dafür haben die Amerikaner bereits die ersten Weichen gestellt. Mit neuen Konzepten sollen die Fans wieder zur Serie getrieben werden, nachdem die vergangenen Jahre nicht gerade attraktiv gewesen waren.

Bei Pirelli sieht man die Zeichen positiv. Der spannende Kampf zwischen Ferrari und Mercedes sei gut für die Formel 1, genau wie die geplante Konzentration auf Europa und die zu erwartende Ausbreitung in den USA.

Kauf von Anteilen ist keine Option - Auch die neuen Business-Modelle von Liberty schaut man sich beim Reifenhersteller an. Bislang war man einer der Premiumpartner der Formel 1 und möchte dies auch bleiben.

Von einem möglichen Kauf von Anteilen an der Formel 1, wie es den Teams angeboten wird, hält man aber nichts. "Niemand hat uns das angeboten, und wir haben auch nicht danach gefragt", winkt Tronchetti Provera ab. Er sieht für den Hersteller auch keinen Sinn darin, diesen Schritt zu gehen: "Es ist kein finanzielles Investment. Es geht um Marketing und Technologie."

Wie es mit Pirelli weitergehen wird, steht noch in den Sternen. Im Motorsport ist man breit aufgestellt, und selbst im Segelsport fasst man nun Fuß. Auf die IndyCar-Serie angesprochen, wo Fernando Alonso am Wochenende für Wirbel gesorgt hat, winkt man bei Pirelli erst einmal ab, doch die Formel 1 soll weiterhin ein Aushängeschild von Pirelli sein - mit oder ohne Konkurrenz.

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