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US-Immobilienmogul Robert Durst unter Mordverdacht

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Baku, 16. März, AZERTAC

Es klingt wie eine Geschichte, die in Hollywood erdacht wurde: Ein exzentrischer Multi-Millionär aus New York wird des Mordes bezichtigt, kann sich jahrzehntelang aller Verdächtigungen erwehren - und stolpert dann über ein TV-Interview. Schon seit Jahrzehnten steht Immobilienmogul Robert A. Durst unter dem Verdacht, seine Frau Kathleen 1982 verschwinden lassen zu haben. Doch dass er nun in einer Zelle sitzt, hat mit einem anderen Fall zu tun - und einem unbeabsichtigten Geständnis.

Am Samstag ist Durst unter Mordverdacht in einem Hotel in New Orleans verhaftet worden, berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf die Polizei. Einen Tag nach seiner Festnahme lief die letzte Folge der Dokumentation „The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst“ im US-Sender HBO. Darin gibt er zu, „sie alle getötet“ zu haben.

Durst, 71, wird den Berichten zufolge des Mordes an seiner Freundin Susan Berman verdächtigt. Sie war im Jahr 2000 in Los Angeles erschossen worden, einen Tag bevor die Polizei sie zu dem mysteriösen Verschwinden von Dursts Ehefrau im Jahr 1982 befragen wollte. Die Polizei hatte den exzentrischen Multi-Millionär damals im Verdacht, für das Verschwinden seiner Frau verantwortlich zu sein, doch er wies jede Verwicklung in den Fall stets zurück.

Im Jahr 2003 dann wurde Durst wegen des Mordes an einem 71-jährigen Nachbarn in Texas angeklagt, dessen zerstückelte Leiche zwei Jahre zuvor gefunden worden war. Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN berief er sich auf Notwehr und wurde von den Geschworenen freigesprochen.

Durst stammt aus einer Familie wohlhabender Immobilienbesitzer. Der Sender HBO nahm die mysteriösen Todesfälle zum Anlass für eine sechsteilige Dokumentation mit dem Titel: „The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst“ („Der Unglücksbringer: Das Leben und die Toten des Robert Durst“).

In der letzten Folge ist der 71-Jährige zu hören, wie er vor sich hinmurmelt: „Was zum Teufel habe ich eigentlich getan? Alle getötet, ganz klar.” („What the hell did I do? Killed them all, of course.“) Anscheinend hatte er nicht bemerkt, dass das drahtlose Mikrofon immer noch eingeschaltet war, als er nach einem längeren Interview die Toilette aufsuchte. Nach Informationen der Los Angeles Times spielte der Dokumentarfilm bei Dursts Festnahme eine Rolle, die Polizei wollte sich dazu nicht äußern.

Ermittler des FBI gingen nach Informationen des Senders ABC davon aus, dass Durst nach dem Interview fliehen wollte. In dem Hotel in New Orleans habe er unter falschem Namen eingecheckt und falsche Papiere bei sich getragen.

Der Anwalt Chip Lewis sagte der Washington Post, sein Mandant habe zehn Jahre lang seine Unschuld beteuert, daran habe sich „nichts geändert“. Allerdings sei nicht klar, ob Lewis schon von Dursts Bemerkungen wusste - und ob diese überhaupt gerichtstauglich seien, so das Blatt.

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