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US-Universität in Texas vermisst rund 100 Gehirne

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Baku, 6. Dezember, AZERTAG

Viele Institute in den USA besitzen Sammlungen von in Formaldehyd eingelegten Gehirnen. Der Universität von Texas sind jedoch rund einhundert Gehirne im Glas verloren gegangen. Nach Spekulationen über einen Studenten-Streich könnte das Rätsel nun gelöst worden sein.

Rund einhundert Gehirne sind an der Universität von Texas verloren gegangen. Das ist die Hälfte der medizinischen Sammlung der Universität von in Formaldehyd eingelegten Gehirnen im Glas. Diese mysteriöse Entdeckung führte zunächst zu Rätselraten. Der Verwalter der Sammlung spekulierte in US-Medien, dass Studenten die Gehirne gestohlen haben könnten, um sie für makabre Scherze zu verwenden.

Wie die „New York Times“ nun berichtete, wurden die Ausstellungsstücke jedoch vermutlich zerstört. Die Universität von Texas schrieb in einer Mitteilung, dass Experten 40 bis 60 Gläser mit teilweise mehreren Gehirnen bereits vor Jahren wegen schlechten Zustands entsorgt hätten. „Unseres Wissen nach umfasst das alle vermissten Exemplare“, berichtet ein Sprecher. „Aber wir forschen weiter nach, ob weitere Exemplare an andere Institute geschickt wurden.“ Die Universität habe für ihre Sammlung in den letzten Jahren bereits geeignetere Forschungsobjekte als Ersatz angeschafft.

Doch die Erklärung der Universität überzeugt nicht jeden. So bezweifelt der Ko-Autor eines neuen Buches über die Sammlung der Universität von Texas die offiziellen Angaben: „Diese Gläser waren für jeweils ein Gehirn vorgesehen“, so Alex Hannaford. „Ich glaube nicht wirklich daran, dass die Entsorgung von nur 40 Gläsern alle vermissten Gehirne umfasst.“ Gerüchten zufolge waren Gehirne aus der Sammlung in anderen Instituten der Universität aufgetaucht. Für Hannafords Buch waren die Gehirne im Glas einst fotografiert worden.

Die Universität hatte die betroffenen Exemplare den Angaben nach vor 28 Jahren vom staatlichen Krankenhaus in Austin bekommen – die Gehirne stammten teilweise noch aus den 1950er-Jahren und waren verstorbenen Patienten der psychiatrischen Klinik entnommen worden. Die Universität habe jedoch später festgestellt, dass die eingelegten Organe zu Forschungszwecken nicht mehr geeignet waren, weshalb sie bereits im Jahr 2002 aussortiert worden seien.

Unter den mutmaßlich zerstörten Gehirnen im Glas befand sich nach Angaben der „New York Times“ auch das des Amokläufers Charles Whitman, der im Jahr 1966 vom Turm der Universität aus 16 Menschen erschossen hatte. Der Transfer der rund 100 Gehirne in die Sammlung der Universität in den 80er-Jahren sei ein Glücksfall gewesen. Auch andere Universitäten wie Harvard hätten sich damals erfolglos um die Exemplare der Klinik bemüht.

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