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UV-Licht warnt Schildkröten vor Fischernetzen

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Baku, den 24. Juli (AZERTAG). Jedes Jahr sterben Tausende Meeresschildkröten als ungewollter Beifang in Fischernetzen. Eine neue Methode könnte in Zukunft helfen, die Tiere vor dem qualvollen Ende zu bewahren: ultraviolett leuchtende Netze.

In Fischernetzen verenden jedes Jahr Millionen von Meerestieren als ungewollter Beifang, darunter auch zahlreiche ohnehin bedrohte Schildkröten. US-Meeresbiologen haben jetzt eine Methode entwickelt, die viele der Reptilien vor einem qualvollen Tod bewahren könnte. Die Forscher des Joint Institute for Marine and Atmospheric Research in Honolulu machen sich dazu die Tatsache zunutze, dass viele Schildkrötenarten ultraviolettes Licht sehen können, anders als etwa die meisten Fische.

Das Team um John Wang bestückte deshalb die Kanten von Stellnetzen auf dem Meeresboden der Pazifikküste vor der Halbinsel Baja California im Abstand von fünf Metern mit UV-Leuchtdioden. Im Vergleich zu den konventionellen Netzen, die zur Kontrolle dienten, sei der Erfolg der Maßnahme deutlich geworden. In der beleuchteten Variante verfingen sich rund 40 Prozent weniger der in dieser Gegend verbreiteten Grünen Meeresschildkröten (Chelonia mydas), schreiben die Wissenschaftler in den „Biology Letters“ der britischen Royal Society.

Netze mit UV-Beleuchtung - In Zusammenarbeit mit Fischern prüften die Forscher darüber hinaus in einem beliebten Fanggebiet, ob sich die UV-Beleuchtung auch auf die Menge des gefangenen Fisches auswirkte. Die Berufsfischer hatten entsprechende Bedenken angemeldet. Aber der Vergleich zwischen Netzen mit und ohne Beleuchtung habe keinen Unterschied gezeigt, weder bei der Fangmenge noch bei seiner Zusammensetzung - und damit seinen kommerziellen Wert.

Damit könnte die Beleuchtung mit UV-Leuchtdioden in Gebieten mit vielen Meeresschildkröten eine gute und kostengünstige Methode sein, die Tiere vor dem Tod in den Netzen zu bewahren, schreiben die Forscher. Dafür müssten allerdings auch Umweltfaktoren der Einsatzgebiete einbezogen werden. Die Klarheit des Wassers sowie die Sehstärke und -fähigkeiten der lokalen Fischarten müssten berücksichtigt werden. Auch haben die Forscher noch nicht untersucht, ob die Beleuchtung am Tage wirksam ist. Die in den Tests genutzten Fischernetze sind für den nächtlichen Fischfang ausgelegt.

Meeresschildkröten leben in tropischen und subtropischen Meeren, sowohl auf hoher See als auch in Küstennähe. Alle Arten sind nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF in ihren Beständen gefährdet. Die Tiere sind deshalb streng geschützt. Beifang in Fischernetzen ist nach Angaben von Umweltschützern eine große Bedrohung für die Tierbestände. Nach Schätzungen verenden jährlich mehr als 250.000 Schildkröten in Netzen.

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