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U-Boote mit Flugzeugen an Bord waren einst der Stolz von Japans Marine

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Baku, 26. Mai, AZERTAC

U-Boote mit Flugzeugen an Bord waren einst der Stolz von Japans Marine. Nach dem Zweiten Weltkrieg versenkten die Amerikaner die Kreuzer, damit die Sowjets sie nicht zu Gesicht bekamen. Nun haben Forscher ein Wrack am Meeresgrund besucht.

Die Kreuzer der Klasse I-400 gehören zu den größten nicht atomaren U-Booten, die jemals gebaut wurden. Sie waren ein Wunderwerk der Technik. Der japanische Unterwasser-Flugzeugträger konnte drei Bomber Aichi M6A1 Seiran transportieren und sie per Katapult in die Luft schleudern. So hoffte Japan, seine Flugzeuge näher an die US-amerikanische Küste zu bekommen.

Jetzt haben Forscher des Hawaii Undersea Research Laboratory (HURL) und der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) eines der Wracks bei einem Tauchgang untersucht. Dabei entdeckten sie auch die Schiffsglocke, die neben dem Turm auf dem Meeresboden lag. Die Glocke war von der Wucht der Explosion bei der Zerstörung von I-400 aus ihrer Halterung gerissen worden.

Es war der erste Tauchgang zu dem U-Boot seit seiner Entdeckung im August 2013. Das Boot liegt in über 700 Metern Tiefe vor der Küste von O'ahu (Hawaii) und ist nur mit einem speziellen Forschungs-Unterwasser-Fahrzeug erreichbar. HURL und NOAA setzen dafür Boote ein, in denen drei Mann Besatzung Platz finden.

„Wir hatten nur einen Tag Zeit“ - Den Forschern gelang es nun, den Turm sowie auch den Hangar zu identifizieren. In dem riesigen zylindrischen Hangar konnten die drei Flugzeuge verstaut werden. Sollten sie zum Einsatz kommen, brauchte die Mannschaft des Flugzeugträgers etwa eine Dreiviertelstunde, um die Bomber herauszuholen, die Tragflächen anzumontieren und die Flugzeuge mit Kerosin zu betanken sowie mit Munition zu bestücken.

Die Funde waren ein Glückstreffer: „Vor dem Tauchgang hatten wir nicht genügend Kartierungsdaten vom Meeresboden, um den Hangar, den Turm und weitere signifikante Merkmale des Wracks von I-400 orten zu können“, erzählt Einsatzleiter Terry Kirby. „Und wir hatten nur einen Tag Zeit. Wir wussten, dass die Chancen groß waren, ihn damit verbringen zu müssen, auf blanken sandigen Meeresboden zu starren.“

Das U-Boot war bei seiner Zerstörung auseinandergerissen worden, seine Fragmente liegen verstreut über dem Meeresboden. Die Amerikaner hatten den I-400-Kreuzer versenkt - allerdings erst am 4. Juni 1946, als der Krieg schon lange vorbei und das Boot längst sichere Kriegsbeute war.

Die US-Militärs wollten jedoch nicht, dass die Sowjets dieses technisch extrem fortschrittliche Gefährt zu sehen bekamen. Die Sowjetunion war damals noch mit den USA verbündet und hätte somit ein Anrecht darauf gehabt. Also nutzten die amerikanischen Streitkräfte die Gelegenheit, damals gerade neu entwickelte elektrische Torpedos zu testen - und beförderten den Unterwasser-Flugzeugträger auf den Meeresgrund.

Die Taucher von HURL und NOAA beschlossen, sich von Nordwesten her dem Wrack zu nähern: „Unsere Vermutung erwies sich als goldrichtig, als die gigantische Tür des Hangars vor uns auftauchte, gefolgt vom Turm und dem Hangar selber“, berichtet Kerby. „Vieles war noch erstaunlich intakt dafür, dass es aus der Hülle eines 120 Meter langen sinkenden U-Bootes gerissen worden war.“

In einem ging der Plan der Amerikaner nach dem Krieg jedenfalls auf - das Wrack liegt so tief, dass eine weitere Erforschung extrem aufwendig wäre. „Es gibt derzeit keine Pläne, noch einmal zu I-400 zurückzukehren“, sagt Kerby.

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