WIRTSCHAFT


Umsatz mit E-Zigaretten steige weltweit rapide an

A+ A

Baku, 16. April, AZERTAC 

Mango, Pfirsich oder Menthol? Aromastoffe aus E-Zigaretten reizen die Atemwege. Für die Substanzen gibt es Höchstwerte - doch diese können beim Dampfen schnell überschritten werden.

Beim Dampfen können Menschen bedenkliche Mengen Aromastoffe aufnehmen. Diese sind den Flüssigkeiten für E-Zigaretten beigemischt und reizen die Atemwege. Selbst bei normalem Gebrauch werden die empfohlenen Höchstwerte für die Aromastoffe teils deutlich überschritten, warnen Forscher der Portland State University im US-Bundesstaat Oregon.

Im Fachblatt „Tobacco Control“ fordern sie, Hersteller unter anderem dazu zu verpflichten, die Inhaltsstoffe auf ihren Produkten zu nennen und für bestimmte Substanzen eine Höchstgrenze festzulegen.

Der Umsatz mit E-Zigaretten steige weltweit rapide an und habe 2014 schätzungsweise sieben Milliarden US-Dollar (knapp 6,6 Milliarden Euro) erreicht, schreiben die Forscher um James Pankow. Dabei seien die damit verbundenen Gefahren kaum bekannt, insbesondere durch die verwendeten Aromastoffe. Diese werden zusammen mit einer Qualm-produzierenden Trägersubstanz - meist Propylenglycol oder Glyzerin - bei hohen Temperaturen verdampft.

Sicher in Lebensmitteln, ungeeignet fürs Inhalieren - Im Januar ergab eine Studie, dass online fast 7800 Aromen angeboten werden. Viele dieser Stoffe werden in der Lebensmittelindustrie eingesetzt und daher oft als sicher bezeichnet. Dies gelte aber nur für den Verzehr und nicht unbedingt für das Inhalieren, schreiben die Forscher. Zugleich bemängeln sie, dass Hersteller die Inhaltsstoffe meist nicht auf der Verpackung angeben.

Die Wissenschaftler testeten 30 Produkte verschiedener Geschmacksrichtungen, darunter Tabak, Menthol, Vanille, Kirsche, Kaffee und Zuckerwatte. In 9 der insgesamt 30 Liquids machten die Aromastoffe mehr als zwei, teils sogar bis zu vier Prozent des Gewichts aus.

Das Doppelte der empfohlenen Höchstdosis - Sechs von 24 gefundenen Substanzen waren Aldehyde. Diese Verbindungen können die Atemwege reizen. Bei einem täglichen Konsum von etwa fünf Millilitern, was den Forscher zufolge durchaus gängig ist, würde ein Konsument 105 Milligramm Benzaldehyd und 165 Milligramm Vanillin inhalieren.

Dies entspreche etwa dem Doppelten der von Arbeitsmedizinern empfohlenen Tageshöchstmenge von 60 und 67 Milligramm. Vanillin oder Ethylvanillin kam in 17 der Produkte vor. Zudem könnten die Aromastoffe bei heißen Temperaturen möglicherweise giftige Beiprodukte bilden, mahnen die Wissenschaftler.

30 Produkte seien zwar keine große Stichprobe, räumen sie ein. „Dennoch ähneln die Resultate wahrscheinlich denen, die eine größere Erhebung geliefert hätte“, schreiben sie. In jedem Fall seien manche Chemikalien in etlichen Produkten zweifellos in sehr hohen Konzentrationen vorhanden.

Jugendliche probieren häufiger E-Zigaretten als Tabak - Eine am Donnerstag im Fachmagazin „BMJ Open“ veröffentlichte Studie, für die mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche in Wales befragt wurden, ergab, dass Jugendliche inzwischen häufiger E-Zigaretten statt normale Zigaretten probieren. Die Autoren warnten allerdings, dass die Ergebnisse der Studie mit Vorsicht betrachtet werden müssten. Unter anderem, weil die Auskünfte von Kinder und Jugendlichen bei solchen Fragen nicht immer verlässlich sind.

Laut den Angaben haben 5,8 Prozent der Zehn- und Elfjährigen schon einmal eine batteriebetriebene Zigarette ausprobiert, bei der an Stelle von Tabakrauch eine verdampfte Flüssigkeit inhaliert wird. Tabak hatten nur 1,6 Prozent schon einmal geraucht.

Insgesamt gaben 12,3 Prozent der Elf- bis 16-Jährigen an, schon eine E-Zigarette ausprobiert zu haben. Der Anteil war höher als bei Tabak, mit Ausnahme der 15- bis 16-Jährigen. In der gesamten Altersgruppe gaben aber nur 1,5 Prozent der Befragten an, regelmäßig - also mindestens ein Mal im Monat - eine E-Zigarette zu rauchen. Der Studie zufolge rauchten die regelmäßigen E-Zigaretten-Nutzer häufig auch Tabak und Cannabis.

Die gesundheitlichen Folgen des Inhalierens der häufig mit Nikotin und anderen Substanzen angereicherten Flüssigkeit sind noch wenig erforscht. Außerdem gibt es Streit darüber, ob E-Zigaretten Tabakkonsumenten dabei helfen können, von ihrer Sucht loszukommen, oder ob E-Zigaretten nicht vielmehr junge Menschen an Tabak heranführen.

„E-Zigaretten tragen derzeit wahrscheinlich nicht bedeutend zu Nikotin-Abhängigkeit bei Jugendlichen bei“, heißt es in der britischen Studie. Zugleich warnen die Autoren, E-Zigaretten könnten sich bei Jugendlichen immer weiter verbreiten und zu einer neuen „Norm“ werden.

© Jede Verwendung von Materialien muss durch den Hyperlink kenntlich gemacht werden

KONTAKT MIT DEM AUTOR

Füllen Sie die erforderlichen Stellen mit Zeichen* aus

Bitte geben Sie die Buchstaben wie oben gezeigt ein.
Egal, ob die Buchstaben groß oder klein sind