GESELLSCHAFT


Uno erhöht Prognose auf elf Milliarden Menschen

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Baku, 30. Juli, AZERTAC

Die Uno rechnet im Jahr 2100 mit einer Weltbevölkerung von 11,2 Milliarden - deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Afrika wird seine Einwohnerzahl in den kommenden 85 Jahren fast vervierfachen.

Stellen Sie sich die Münchner Allianz-Arena vor: 71.000 Menschen sitzen und stehen auf den Rängen - und auf dem Rasen sollen nochmal 2000 versammelt sein. Macht insgesamt 73.000 Personen. Wenn alle Menschen dieser Erde zugleich in solch ein Stadion gehen wollten, bräuchte man 100.000 davon. Denn gegenwärtig leben laut Uno-Angaben auf unserem Planeten 7,3 Milliarden Menschen.

Und es werden immer mehr. Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 sogar noch stärker wachsen als bislang angenommen, wie die Uno am Mittwoch in New York mitteilte. Die Experten rechnen nun mit einem Anstieg der globalen Bevölkerung auf rund 9,7 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050. Das seien mehr als 170 Millionen mehr Weltbewohner als bislang angenommen. Im Jahr 2100 prognostiziert die Uno 11,2 Milliarden Bewohner - 300 Millionen mehr als in ihrer bisher jüngsten Studie aus dem Jahr 2013.

Verantwortlich für das Wachstum sind den Angaben zufolge beinahe ausschließlich die Entwicklungsländer. Besonders rasant nimmt die Bevölkerung Afrikas zu. Von heute rund 1,2 Milliarden auf fast 4,4 Milliarden Menschen im Jahr 2100. Zehn Länder des Kontinents werden ihre Einwohnerzahl bis 2100 sogar verfünffachen, heißt es in der Uno-Studie - und zwar Angola, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Malawi, Mali, Niger, Somalia, Uganda, Tansania und Sambia.

In Europa wird hingegen mit einem Rückgang von derzeit 738 Millionen Menschen auf rund 646 Millionen Menschen im Jahr 2100 gerechnet. Deutschlands Einwohnerzahl entwickelt sich laut der Studie von derzeit 81 Millionen auf 74 Millionen (Jahr 2050) und 63 Millionen im Jahr 2100.

China und Indien bleiben weiterhin die bevölkerungsreichsten Länder der Erde mit jeweils mehr als einer Milliarde Einwohnern. Im Jahr 2022 werde Indien die bisherige Nummer eins China aber überholen.

Millionen ungewollter Schwangerschaften - Grund für den Anstieg der Weltbevölkerung ist unter anderem die Annahme, dass die Geburtenrate pro Frau weniger stark sinkt als noch vor einigen Jahren angenommen. Experten fordern deshalb einen besseren Zugang zu Aufklärung und freiwilliger Familienplanung für Frauen und Jugendliche in Entwicklungsländern. „Jedes Jahr werden nach wie vor 74 Millionen Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern ungewollt schwanger - unter anderem weil sie nicht verhüten können“, erklärte die Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr.

Dem Uno-Bericht zufolge würde es jährlich 9,4 Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) kosten, Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern Verhütung zu ermöglichen. Derzeit werde nicht einmal die Hälfte davon investiert. Auch die Bundesregierung müsse sich an dieser Stelle "stärker finanziell einbringen", forderte Bähr.

Unsichere Statistiken - Prognosen zur Entwicklung der Weltbevölkerung sind mit vielen Unsicherheiten behaftet. Zuletzt hatte ein Team um Adrian Raftery von der University of Washington in Seattle einen Wert zwischen 9 und 13 Milliarden für das Jahr 2100 berechnet. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei 95 Prozent.

Die Uno hatte in den vergangenen Jahren immer wieder ihre Bevölkerungsprognose nach oben korrigiert. Noch 2003 waren die Statistiker sogar davon ausgegangen, dass die Weltbevölkerung ab dem Jahr 2040 wieder zurückgeht.

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