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Uno wirft Katar Versagen beim Kampf gegen Zwangsarbeit vor

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Baku, den 28. September (AZERTAG). Der Druck auf den WM-Ausrichter Katar wächst. Jetzt schaltet sich die Internationale Arbeitsorganisation ein. Das Uno-Gremium wirft den Verantwortlichen vor, beim Bau der Sportstätten die Konvention gegen Zwangsarbeit zu missachten.

Nun kritisiert auch die Uno den Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 scharf. Katar versage bei der Umsetzung der Konvention gegen Zwangsarbeit, sagte Azfar Khan von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Uno dem britischen „Guardian“. Khan ist bei der Organisation Experte für Arbeitsmigration in den arabischen Ländern.

Katar hatte die entsprechende ILO-Konvention im Jahr 2007 unterschrieben. Die Gesetze des Landes seien zwar adäquat, sagte Khan dem „Guardian“, die Praxis sehe jedoch anders aus. Entgegen offizieller Zusicherungen würden in Katar Baustellen nicht angemessen kontrolliert. Zudem seien die Richtlinien Katars bezüglich der Arbeit von Migranten widersprüchlich.

Der „Guardian“ hatte darüber berichtet, dass im beginnenden Bauboom vor der WM Tausende nepalesische Einwanderer unter extrem schlechten Bedingungen eingesetzt werden. Die Zeitung beruft sich auf Dokumente der nepalesischen Botschaft in Doha, wonach allein vom 4. Juni bis zum 8. August insgesamt 44 Arbeiter aus Nepal gestorben seien - mehr als die Hälfte davon an den Folgen eines Herzinfarkts oder Arbeitsunfalls. Derzeit sind etwa 1,2 Millionen Arbeiter aus dem Ausland in Katar, mit mindestens 500.000 weiteren Migranten wird gerechnet, wenn die Bauarbeiten an den Sportstätten intensiviert werden.

Das Wort der ILO-Experten hat Gewicht – „Die Katarer sind in der Pflicht, die Konvention besser umzusetzen“, sagte Khan. „Viele Missstände, die Zwangsarbeit begünstigen, bestehen immer noch.“ Konkret bemängelte der ILO-Experte einige Details. So gäbe es keine ausreichende Planung für die Inspektion der Baustellen, zudem seien die Kriterien für die Überprüfung der Arbeitsbedingungen nicht eindeutig. Überdies seien die Inspektoren nicht angemessen geschult.

Die Kritik Khans hat Gewicht, da der ILO-Experte während der vergangenen zwei Jahre Katar eng begleitet hatte. Zudem hatte das Organisationskomitee für die WM 2022 betont, es erfreue sich eines regen Austausches mit der ILO über das Thema der Arbeitsbedingungen.

Auch der Internationale Gewerkschaftsbund IGB kritisierte Katar scharf. Es handele sich um „moderne Sklaverei“, sagte IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow. Die Todesrate sei in Wirklichkeit noch viel höher als bislang bekannt.

Inzwischen melden sich auch Vertreter der Profi-Fußballer zu Wort. Brendan Schwab, Asien-Chef von Fifpro, dem Dachverband der Fußballer-Gewerkschaften, sagte dem „Guardian“: „Wenn die Berichte stimmen, muss der Fußball reagieren.“ Der Fußball-Weltverband Fifa habe mit der ILO im Kampf gegen Kinderarbeit bei der Produktion von Fußbällen zusammengearbeitet. Nun müsse dies auch dringend in Katar geschehen. 

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