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Vererbung, Lebensstil, Ernährung - das alles beeinflusst die Entstehung von Allergien und Asthma

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Baku, 25. Oktober, AZERTAG

Vererbung, Lebensstil, Ernährung - das alles beeinflusst die Entstehung von Allergien und Asthma. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Psyche: Ängste und Stress können das Leiden verstärken. Asthmatiker reagieren mitunter sehr sensibel auf neue Gerüche - aus Sorge, dass der unbekannte Duft Atemnot auslöst. In einer kleinen Studie stellten US-Forscherinnen fest, dass fremde Düfte tatsächlich Entzündungsreaktionen verstärken können, die zu allergischem Asthma führen.

Mehrere Betroffene wurden für die Untersuchung einem intensiven, aber harmlosen Duft ausgesetzt. Einigen Teilnehmern sagten die Forscherinnen, der Duft würde Asthma verstärken. Den anderen teilten sie mit, er sei heilsam. Das Ergebnis: Nicht nur die subjektiv empfundenen Symptome verschlimmerten sich, wenn die Asthmatiker glaubten, der Geruch sei für sie schädlich. Auch die Entzündung in den Atemwegen nahm zu, wie Christina Jaén und Pamela Dalton vom Monell Center in Philadelphia im „Journal of Psychosomatic Research“ berichten. Das lässt die Betroffenen auch auf andere Asthmatrigger empfindlicher reagieren.

„Wenn wir erwarten, dass ein Geruch für uns schädlich ist, reagiert der Körper auch so. Bei Probanden, denen wir gesagt hatten, dass der Geruch therapeutische Effekte hätte, verstärkte sich die Entzündung in den Atemwegen dagegen nicht“, sagt Jaén.

Dass Angst und Stress die Entstehung von Asthma beeinflussen können, legt auch eine in Deutschland durchgeführte Studie nahe: Demnach erhöht sich das Risiko für die Atemwegserkrankung, wenn Menschen fürchten, dass sie bald ihren Job verlieren.

Seit etwa zwei Jahrzehnten gibt es die medizinische Fachrichtung der Psychoneuroimmunologie, die beschreibt, wie eng Psyche, Immun- und Nervensystem miteinander verzahnt sind und mithilfe von Botenstoffen miteinander kommunizieren. So wird erklärbar, wie sich psychologische Prozesse auf körperliche Funktionen auswirken können.

Dass die Psyche allergische Reaktionen beeinflusst, vermutet auch Franziska Ruëff vom Allergiezentrum der LMU München. Sie berichtet von der sogenannten anstrengungsgetriggerten Anaphylaxie: einer akuten Reaktion des Immunsystems, bei einer Allergie gegen das Weißen-Klebereiweiß Gluten. Eine Anaphylaxie reicht von leichten Hautreaktionen über Störungen von Organfunktionen bis zum tödlichen Kreislaufversagen, dem anaphylaktischen Schock.

„Es gibt Patienten, die essen neunmal eine Frühstückssemmel aus Weizen und es passiert nichts. Beim zehnten Mal platzt dann die Bombe und es tritt eine Anaphylaxie auf. Wir halten es für möglich, dass nicht nur körperliche Anstrengung, sondern auch psychischer Stress hier den kleinen Unterschied machen. Aber der Effekt ist schlecht messbar und Untersuchungsdaten dazu liegen kaum vor“, sagt Ruëff.

Bei Neurodermitikern wird laut Ruëff der Einfluss der Psyche sehr deutlich: „Schon seit Langem ist bekannt, dass psychogene Faktoren Krankheitsschübe verursachen können“, sagt die Münchner Allergologin. Es gebe jedoch bislang kaum wissenschaftlich fundierte Studien dazu, wie das passiere. Sie erzählt von einer Patientin mit schwerer Neurodermitis, bei der regelmäßig das Blut abgenommen und auf Immunglobulin E, kurz IgE, untersucht wurde. Immunglobulin E wehrt körperfremde Stoffe ab - und spielt eine Rolle bei allergischen Reaktionen. Ging es der Frau gut, war ihr IgE-Spiegel niedrig. Ging es ihr dagegen schlecht, war der IgE-Spiegel hoch.

„Grundsätzlich ist vorstellbar, dass die Psyche auch bei anderen Allergieerkrankungen einen Einfluss hat“, sagt Ruëff. Sie betont aber, dass es keinen speziellen Menschentyp für Allergiekrankheiten gibt. „Es ist nicht so, dass ängstlich veranlagte oder wenig selbstbewusste Menschen häufiger an Allergien erkranken als andere“, sagt sie mit Blick auf ihre langjährige klinische Erfahrung.

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