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Vizepräsident verzichtet für Hund auf Botschafterposten

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Baku, den 19. März (AZERTAG). Kolumbiens Vizepräsident Angelino Garzón ist offenbar sehr tierlieb. Weil er seinem Schäferhund das warme Klima in Brasilien nicht zumuten will, verzichtet er auf den dortigen Botschafterposten. Die Außenministerin seines Landes ist peinlich berührt - auch weil das nicht sein erster Fauxpas war.

Am 25. Mai sind Präsidentschaftswahlen in Kolumbien. Wie auch immer die Abstimmung ausgeht. Bereits jetzt steht fest, dass der bisherige Vizepräsident Angelino Garzón sein Amt nicht behält. Zeit also, sich nach einem neuen Posten umzusehen. Vom Magazin „Semana“ nach seiner politischen Zukunft befragt, offenbarte er seine große Tierliebe.

Er könne den Botschafterposten in Brasilien, der ihm angeboten wurde, nicht antreten, so Garzón. Seinem Schäferhund Orión könne er das warme Klima nicht zumuten. „Er hat ein dickes Fell, und das heiße Klima in Brasilien könnte ihm schaden.“

Kolumbiens Außenministerin María Ángela Holguín war diese Äußerung offenbar dermaßen peinlich, dass sie sich umgehend „bei Brasiliens Regierung und dem brasilianischen Volk“ entschuldigte. Es beschäme sie, dass Garzón eine so unpassende Antwort gegeben habe.

Garzón hatte bereits im Februar deutlich gemacht, dass er für den Posten nicht zur Verfügung stehe. Ihr und Präsident Juan Manuel Santos habe er aber geschrieben, er könne die Nominierung für den Botschafterposten aus persönlichen Gründen nicht antreten, so Ministerin Holguín. „Man könnte doch erwarten, dass die persönlichen Gründe etwas wichtiger wären.“

Der Botschafterposten in Brasilien ist mit großem Prestige verbunden, beide Länder arbeiten politisch und wirtschaftlich eng zusammen. Brasilien ist einer der wichtigsten Handelspartner für Kolumbien. Das Klima in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá ist zwar tatsächlich gemäßigter als in Brasília. Aber dass Hunden in Brasiliens Hauptstadt Schaden nähmen, war bislang nicht allgemein bekannt.

Tatsächlich scheint Garzón andere Pläne zu haben. Er erwägt, als Bürgermeister für die Städte Bogotá oder Cali anzutreten - allerdings wird er politisch nicht unbedingt im Sinne von Präsident Santos handeln, unter dem er die vergangenen vier Jahre Vizepräsident war. Das Verhältnis der beiden gilt als schwierig, ihren Konflikt trugen sie zuletzt auch öffentlich aus.

Seit Santos klargestellt hat, dass er in seiner nächsten Amtszeit nicht mehr mit Garzón zusammenarbeiten will, stichelt der in kolumbianischen Zeitungen als wenig taktvoll beschriebene Garzón immer wieder gegen den Staatschef. „Man kann nicht wie eine Schönheitskönigin regieren und es jedem rechtmachen“, lästerte er etwa über Santos' Regierungsstil.

Er habe auch noch gar nicht entschieden, ob er bei der Wahl im Mai überhaupt für den Präsidenten stimmen werde, so Garzón. Könnte er gar neuer Oppositionschef werden? In jedem Fall wird er Kolumbien nicht gen Brasilien verlassen. Das hat er bereits vor dem denkwürdigen Hunde-Interview deutlich gemacht. „Ich gehe nicht nach Brasilien als Botschafter, weil man die Weltmeisterschaft am besten im Fernsehen schaut“, zitierte ihn „Semana“ bei anderer Gelegenheit.

Wo auch immer er sich politisch in Zukunft sieht: Sein Tier wird ihn begleiten. „Der Hund ist nicht Eigentum der Regierung. Wohin auch immer Angelino geht, da geht der Hund hin.“ 

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