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Vögel bestäubten Blüten bereits vor 47 Millionen Jahren

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Baku, den 29. Mai (AZERTAG). Im Magen eines versteinerten Vogels aus der Grube Messel entdeckten Forscher Blütenpollen. Sie sind mindestens 47 Millionen Jahre alt-und liefern den ältesten Nachweis eines Vogels, der Nektar fraß und Pflanzen bestäubte.

In Europa kennt man das Verhalten vor allem von Insekten: Sie fliegen von Blume zu Blume, schlecken Nektar und verteilen Blütenpollen, sodass sich die Pflanzen vermehren. In den Tropen und Subtropen sind dafür auch Vögel zuständig. Entwickelt hat sich das Interesse der Tiere an Nektar bereits vor vielen Millionen Jahren, wie ein kleines Vogelfossil aus der Grube Messel bei Darmstadt zeigt.

„Während der Prozess in der Gegenwart sehr gut verstanden ist, gibt es aus der Vergangenheit relativ wenige Nachweise für nektarfressende Vögel“, erklärt Gerald Mayr vom Frankfurter Senckenberg-Institut. Der Mageninhalt des versteinerten Vogels aus der Ölschiefergrube Messel, den die Senckenberg-Forscher nun untersuchten, verrät: Bereits vor 47 Millionen Jahren ernährten Vögel sich von Nektar. Es ist der älteste Nachweis für das Verhalten.

Im Magen des Urvogels Pumiliornis tessellatus fanden die Senckenberg-Forscher zahlreiche Blütenpollen. Vermutlich habe der Urvogel mit seinem 1,5 Zentimeter langen Schnabel vor allem Nektar gesaugt, dabei Pollen aufgenommen und ihn beim Besuch in der nächsten Blüte wieder abgegeben, erklärt Mayr. Zuvor sei Nektarfressen bei Vögeln nur bis ins frühe Oligozän vor 30 Millionen Jahren nachgewiesen worden - allerdings nur indirekt. Das Fossil aus der Grube Messel sei der erste direkte Nachweis eines nektarfressenden Urvogels.

Fortpflanzung urzeitlicher Pflanzen - Laut dem Bericht der Forscher im Fachmagazin „Biology Letters“ war der untersuchte Vogel nur acht Zentimeter groß. Mit Kolibris sei er aber nicht verwandt. Mit Sicherheit habe er nicht wie sie in der Luft stehend fliegen können, so die Forscher. Das verrate seine Anatomie.

Neben der Ernährung des Vogels, liefert sein Mageninhalt auch Hinweise auf die Pflanzenwelt im Eozän. „Bis heute gibt es keine fossilen Pflanzen aus dieser Zeit, die auf die Bestäubung durch Vögel hinweisen“, sagt Volker Wilde, der das Fossil zusammen mit Mayr untersucht hat. Die typischen Eigenschaften, wie rote Blüten, bleiben über die Jahrmillionen nicht erhalten. Doch das Urvogel-Fossil zeigt, dass es schon vor 47 Millionen Jahren Pflanzen gegeben haben muss, die sich auf Bestäubung zur Fortpflanzung spezialisiert hatten.

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