GESELLSCHAFT


WHO ist gegen die breite Anwendung des weltweit ersten Malaria-Impfstoffs

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Baku, 29. Oktober, AZERTAC

Die WHO hat sich vorerst gegen den breiten Einsatz des weltweit ersten Malaria-Impfstoffs ausgesprochen. Vier Spritzen seien zu viel, um sie zuverlässig verabreichen zu können. Zudem wirkt die Impfung nicht zuverlässig.

Am Anfang klang alles ziemlich gut: Im Juli 2015 hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) sich für die Zulassung des Malaria-Impfstoffes RTS, S, auch Mosquirix, ausgesprochen. Die Arznei soll der erste zugelassene Malaria-Impfstoff werden und könnte die erste Impfung gegen eine Parasiteninfektion überhaupt sein. Doch nun hat sich die Weltgesundheitsorganisation WHO vorerst gegen die breite Anwendung ausgesprochen.

Eingesetzt werden soll der Impfstoff bei Babys in Malariarisikogebieten in Afrika. Doch darin liegt laut WHO eines der großen Probleme. Vier Spritzen sind nötig, bis sich der Impfschutz aufgebaut hat - drei im Abstand von einem Monat, die letzte nach eineinhalb Jahren. Gerade in Gebieten, in denen aufgrund schlechter medizinischer Versorgung besonders viele Kinder an Malaria sterben, dürfte das nur schwer umzusetzen sein, argumentiert die WHO.

„Wenn wir nicht sicherstellen können, dass die Kinder alle vier Dosen bekommen, werden wir die Impfung nicht nutzen“, sagt Jon Abramson, Vorsitzender der Expertenkommission Strategic Advisory Group of Experts (SAGE), die die WHO berät. Die Organisation hat sich dafür ausgesprochen, in den nächsten drei bis vier Jahren zunächst weitere Testprojekte mit Kindern zwischen fünf und 17 Monaten zu starten. Bei bis zu einer Million Patienten könne dann geprüft werden, wie praktikabel die vier Impfdosen in der Praxis sind.

Erschwert wird die Bewertung des Impfstoffs auch dadurch, dass er einen deutlich geringeren Schutz bietet als die meisten anderen Impfungen. 2011 und 2012 veröffentlichte Studien zeigten. Die Zahl der Malariafälle von sechs bis zwölf Wochen alten Babys konnte um circa 27 Prozent gesenkt werden. Bei den fünf bis 17 Monate alten Babys reduzierte der Wirkstoff die Malariafälle um rund 46 Prozent.

Bei allein in diesem Jahr geschätzt 214 Millionen neuen Malaria-Infektionen und etwa einer halbe Million Toten - die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren - könnten mit dem Impfstoff gut 100.000 Leben jährlich gerettet werden. Ausrotten lassen sich die von Mücken übertragenen Parasiten so aber nicht. Und es gibt günstige Alternativen zur Impfung.

Laut Abramson soll eine Viererimpfung umgerechnet etwa 18 Euro pro Person kosten. Dafür könne man einige Moskitonetze kaufen und einige Infektionen damit von vornerein verhindern. „Wenn wir diese Impfung breit einsetzen, sie aber nicht effektiv ist, geben wir viel Geld aus, das wir woanders sinnvoller nutzen könnten“, so Abramson.

Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen spricht sich dafür aus, das Geld in Medikamente und Schutznetze zu investieren - zumindest so lange, bis keine deutlich zuverlässigere und praktikablere Impfung existiert.

Die Empfehlung der WHO bezieht sich ausschließlich auf den Einsatz in Entwicklungsländern. Für Afrikatouristen ist der Impfstoff nicht gedacht.

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