WIRTSCHAFT


WTO: Ein gemeinsames Handelsabkommen für alle 160 Mitgliedsstaaten

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Baku, 29. November, AZERTAG

Erstmals seit ihrer Gründung vor rund 20 Jahren hat die Welthandelsorganisation WTO ein Handelsabkommen für alle 160 Mitgliedsstaaten abgeschlossen. In dem Abkommen geht es unter anderem um die Einführung von Standards für Zollkontrollen und Grenzformalitäten. Genau 13 Jahre sind seit dem Start der Verhandlungen in Doha, Hauptstadt des Emirats Katar, vergangen. Es hat viele Rückschläge gegeben seither, mehrfach schien das Abkommen vor dem Aus. Mithin ist es nicht übertrieben, das Abkommen als historisch zu bezeichnen.

Ob es eine Epoche allseitig wachsenden Wohlstandes einleiten wird, ist eine andere Frage. Die Verheißungen klingen gewaltig: In den kommenden Jahren entstünden 20 Millionen Arbeitsplätze zusätzlich, Wachstumsimpulse von 800 Milliarden Euro seien möglich, schätzt die Internationale Handelskammer (ICC). Und das Copenhagen Consensus Center (CCC) geht von Wachstumsgewinnen in Höhe von elf Billionen US-Dollar bis 2030 aus, die zu zwei Dritteln den Entwicklungsländern zugute kommen würden. Bis zum Jahr 2100 werde die Rendite des Doha-Abkommens bei sagenhaften 400 000 Milliarden Euro angelangt sein.

Ernst nehmen muss man solche Prognosen aber nicht. Globalzahlen in Dagobert-Duck-Dimensionen bis zum Ende des Jahrhunderts basieren auf Rechenmodellen, die die Wirklichkeit nur recht unvollkommen erfassen. Interessanter ist die Frage, wem die Wohlstandsgewinne – in welcher Höhe auch immer – zufließen werden. Das CCC geht davon aus, dass Produktionsstandorte aus Kostengründen in Billiglohnländer verlagert werden, wo sie Einkommen, Wachstum und Wohlstand schaffen. Für manche Region wird das zutreffen. Dass aber gerade Afrika zu den großen Nutznießern des Abkommens zählen wird, wie das CCC annimmt, ist zu bezweifeln.

Die Öffnung der dortigen Märkte wird zu allererst der hocheffektiven industrialisierten Landwirtschaft des Nordens zugute kommen, deren Produkte lokale afrikanische Erzeuger schon heute in den Ruin treiben. Investitionen in industrielle Produktionsanlagen, die einen Teil der Wertschöpfung in den Tschad oder nach Simbabwe verlagern würden, sind nicht in Sicht. Es steht daher zu befürchten, dass die ärmsten Länder nicht werden aufholen können, sondern weiter zurückfallen.

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